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Ein Fernsehbericht spaltet Belgien: Erfundene Reportage sorgt für Aufregung im Land

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Ein Fernsehbericht spaltet Belgien: Erfundene Reportage sorgt für Aufregung im Land

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Der fiktive belgische Fernsehbericht über die Spaltung des Staates sorgt für Aufregung. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hatte eine erfundene Meldung gebracht, in der die Unabhängigkeitserklärung Flanderns verkündet wurde – und damit das Ende des belgischen Staates. Tausende Zuseher hatten dem Bericht Glauben geschenkt. Und auch Tage danach sind die Belgier in ihrer Beurteilung des Gesehenen gespalten. “Ich bin dagegen”, meint eine junge Frau, “noch dazu wohne ich in Flandern, das muss doch nicht sein.” Und auch ein älterer Mann ist empört: “Das sind doch Idioten, die das Land durcheinander bringen.” Ein anderer Belgier hingegen kann der Sache etwas abgewinnen: “Belgien ist die Heimat des Surrealismus, aber es scheint, als ob die Belgier ihren Sinn für Humor verlieren.” Und ein Mann ist schlicht beeindruckt: “Ich habe nur einen kleinen Teil gesehen, aber es schien realer als die Realität.”

Um exakt 20.21 Uhr am Mittwoch unterbricht der Fernsehsender RTBF scheinbar sein Programm, und Moderator Francois de Brigode sprichtdie folgenschweren Worte: “Dies ist eine schwere Stunde. Entschuldigen Sie die Unterbrechung.” Und: “Flandern wird einseitig die Unabhängigkeit erklären…” Als dann ein Korrespondent von einer Sondersitzung des flämischen Parlaments berichtet, kommt die Lawine endgültig ins Rollen. Menschen brechen vor dem Fernseher in Tränen aus, Tausende Zuseher rufen bei RTBF an, Dutzende Belgier demonstrieren vor dem Königsschloss in Brüssel für die Einheit des Landes. Am Donnerstag kam das belgische Parlament zusammen – und es folgte eine Ermahnung von Ministerpräsident Guy Verhofstadt: Er wolle all jenen, die an dieser Ausstrahlung beteiligt waren, den Rat geben, lieber zweimal nachzudenken.

Für viele Belgier ist das fiktive Szenario durchaus vorstellbar: Nationalistische Flamen fordern seit langem die Teilung des Landes, der “Vlaams Belang” hatte sogar an den Vorbereitungen für den Film mitgewirkt. Bei RTBF hieß es, man habe zeigen wollen, dass politische Debatten konkrete Folgen für die Bevölkerung haben könnten.