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Mahnwachen für Piergiorgio Welby: Italiener will endlich sterben dürfen

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Mahnwachen für Piergiorgio Welby: Italiener will endlich sterben dürfen

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Der Fall des fast völlig gelähmten Piergiorgio Welby spaltet Italien. In mehreren Städten haben sich am Samstag abend Befürworter der Sterbehilfe zu Mahnwachen zusammengefunden. Zuvor hatte ein Gericht dem Wunsch des 60-jährigen nach Abschaltung des Beatmungsgeräts zwar stattgegeben, gleichzeitig aber entschieden, dass die Ärzte grundsätzlich das Recht hätten, die Behandlung fortzusetzen. Welbys Schwester steht der Entscheidung zwiespältig gegenüber. “Das Urteil berücksichtigt einerseits den Wunsch meines Bruders”, meint sie, “aber andererseits gibt es kein Gesetz, das jemanden verpflichtet, diesem Wunsch auch nachzukommen. Das ist eine Gesetzeslücke, die unsere Politiker schließen müssen.”

Welby leidet an einer fortschreitenden Muskelschwäche. Seit 30 Jahren kann er nicht mehr gehen, seit 10 Jahren wird er künstlich beatmet, seit sechs Monaten auch künstlich ernährt. In einem offenen Brief an den italienischen Präsidenten Giorgio Napolitano bezeichnete Welby sich als “Gefangener seines eigenen Körpers” und stellte die Frage: “Was ist natürlich an einem Körper, der nur mit Hilfe der künstlichen Beatmung noch biologisch funktionieren kann?” Im katholisch geprägten Italien ist sowohl die passive als auch die aktive Sterbehilfe gesetzlich verboten. Bei Verstößen drohen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren.