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Ungewissheit nach Turkmenbaschi-Tod

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Ungewissheit nach Turkmenbaschi-Tod

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Die Trauer ist groß, jedenfalls im staatlichen turkmenischen Fernsehen. Betrauert wird Präsident Saparmurat Nijasow, der der Einfachheit halber auch Ministerpräsident, Oberbefehlshaber und vieles andere in einer Person war. Mehr als zwanzig Jahre stand Nijasow an der Spitze seines Landes, das er zunehmend im Stile eines Sonnenkönigs regierte. Er ließ sich als Turkmenbaschi titulieren, als Vater aller Turkmenen. Jetzt starb Nijasow aber an Herzversagen: Er wurde 66 Jahre alt.

Nach dieser langen Alleinherrschaft ist vieles ungewiss. Fest steht vorerst nur: Am Sonntag wird Nijasow beigesetzt, in seinem Heimatort Kiptschak, wo er auch schon sein Mausoleum und eine der weltgrößten Moscheen errichten ließ. Zwei Tage später wird eine Wahlkommission einen Vorschlag für die Nachfolge machen und eine Wahl ansetzen. Die Hürde ist hoch: Der Turkmenbaschi war derart beliebt, dass er bei Wahlen regelmäßig um die 99 Prozent der Stimmen erhielt. Das machte Wahlen eigentlich auch unnötig: Seit einigen Jahren war Nijasow Präsident auf Lebenszeit.

Seine Beliebtheit gründete sich auf einfache Dinge: Strom, Gas und Wasser sind umsonst, sagt zum Beispiel eine Frau in der Hauptstadt Aschchabad dem Fernsehteam; dank unserem Präsidenten. Er hat für uns alles getan.

Die Grundlage dafür war vor allem der turkmenische Reichtum an Erdgas: Das Land hat die drittgrößten Gasvorkommen der Welt. Es lieferte zwar vor allem in die Ukraine und nach Russland, aber dafür konnte verstärkt russisches Gas nach Europa fließen. Die reichen turkmenischen Rohstoffvorkommen schützten Nijasow auch weitgehend vor Kritik von außen.