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Warschauer Erzbischof stolpert über Spitzelvorwürfe

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Warschauer Erzbischof stolpert über Spitzelvorwürfe

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Ein schwerer Schlag für die katholische Kirche in Polen: Stanislaw Wielgus, gerade erst zum Erzbischof von Warschau ernannt, tritt schon wieder zurück. Die Menschen in der Kirche sind fassungslos: Eigentlich sind sie hier, um eine feierliche Messe zur Amtseinführung mitzuerleben. Wielgus ist über seine Vergangenheit gestolpert, über seine Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Geheimdienst. Lange hatte er das geleugnet; erst am Freitag bekannte er sich zu dieser Zusammenarbeit.

Auf Druck des Vatikan trat er nun zurück; dort spricht man von einer richtigen Entscheidung. Das Ansehen des Erzbischofs sei beschädigt gewesen. Vatikansprecher Federico Lombardi sagt aber auch, es sei nicht der erste und wohl auch nicht der letzte Angriff auf Kirchenvertreter, der auf Grundlage solcher Geheimdienstakten geführt werde. Das Land scheint gespalten, zwischen Zustimmung und Ablehnung. Die Presse habe einen großen Mann gesteinigt, sagt ein Mann in Warschau; einen Patrioten, das schmerze ihn. Aber eine Frau zeigt sich auch erleichtert; es sei eine gute Entscheidung gewesen.

Auf der Straße kommt es spontan zu kleineren Kundgebungen, sowohl von Anhängern als auch von Gegnern von Wielgus; es gibt sogar Rangeleien. Dabei ist jetzt ein kühler Kopf gefragt: Die Polen müssen klären, wie sie mit den umstrittenen Geheimdienstakten umgehen.