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Fusion lässt größte Börse der Welt entstehen. Gespräch mit Euronext-Chef Jean-Francois Theodore

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Fusion lässt größte Börse der Welt entstehen. Gespräch mit Euronext-Chef Jean-Francois Theodore

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Die Aktionäre der Euronext haben der Fusion mit der New York Stock Exchange zugestimmt. Zuvor hatte sich die Deutsche Börse erfolglos um einen Zusammenschluss bemüht. Euronext umfasst die Aktienmärkte Amsterdam, Brüssel, Lissabon, Paris und den Londoner Derivatemarkt Liffe. Hinzu kommt künftig der New Yorker Markt. Durch den Zusammenschluss der vom Finanzplatz Paris dominierten Euronext und der New York Stock Exchange entsteht die größte Börse der Welt.
EuroNews sprach mit Euronext-Chef Jean-Francois Theodore.

EuroNews: Herr Theodore, für den Zusammenschluss von Euronext mit der New York Stock Exchange gibt es sicherlich gute Gründe. Warum aber war es nicht möglich, eine große, ausschließlich europäische Börse zu schaffen?

Antwort: “Börsen sind Unternehmen wie andere auch. Ein Zusammenschluss bedeutet zunächst einmal nicht mehr und nicht weniger als den Kunden bessere Dienstleistungen zu bieten, eine höhere Liquidität, eine größere Anzahl von Produkten. Auch wird den Kunden die Möglichkeit geboten, ihre Kosten zu verringern. Die gleichen Informationsstrukturen werden für eine gesteigerte Aktivität genutzt. Das alles zu einer Zeit, da die Europäische Kommission auf Deregulierung und mehr Wettbewerb setzt. Eine entsprechende Richtlinie soll im November dieses Jahres in Kraft treten. Wir haben uns in Europa umgesehen, in Richtung London, in Richtung Osten geblickt, es war alles andere als einfach. Im Zusammenschluss mit der New York Stock Exchange sahen wir eine Perspektive, die größte Börse Europas mit dem größten Markt Nordamerikas zusammenzubringen, der seinerseits mit der europäischen Wirtschaft in einer Wechselwirkung steht. Entscheidend ist jedoch der wirtschaftliche Aspekt und nicht der finanzielle. Auf die Schaffung des ersten transatlantischen Marktes, der größten Börse der Welt schließt nicht aus, dass wir uns später in Asien umsehen.”

EuroNews: In den vergangenen zwei Jahren konnte man beobachten, wie Euronext und andere Finanzinstitute Europas einander den Hof gemacht haben, ohne Erfolg allerdings. Was hat sich mit der Deutschen Börse und der London Stock Exchange abgespielt?

Antwort: “Was geschehen ist, ist geschehen. Ich denke nicht, dass die Geschichte uns weiterbringt. In Europa von Interesse ist der Umstand, dass die europäischen Behörden mehr Wettbewerb wünschen, was die verschiedenen europäischen Zusammenschlüsse früher oder später sehr schwierig gemacht hat. er Zusammenschluss von Euronext und der New Yorker Börse hat eine ganze Reihe von Vorteilen für Europa. Zunächst einmal wird damit das erste globale Börsennetz geschaffen. Zweitens werden die New York Stock Exchange und die paneuropäische Börse Euronext in dem Zusammenschluss paritätisch vertreten sein.
Die Aktien europäischer Unternehmen werden künftig in New York notiert und an der Euronext in Euro. Das wird den Euro stärken, an der Börse wird er die zweitwichtigste Währung sein. Der Zusammenschluss der Börsen ist also gut für Europa und gut für den Euro.”

EuroNews: Sie sagten, dass die Fusion die Unternehmen mit Kosteneinsparungen und Gewinnen belohnen wird. Dass diese höher sein werden als bisher. Doch es gibt da auch einen kulturellen Aspekt: Diesseits und jenseits des Atlantiks sind die ethischen Spielregeln in der Finanzwelt nicht die gleichen.

Antwort: “Es handelt sich um eine Fusion von gleichberechtigten Partnern, die amerikanischen Märkte bleiben amerikanische, die europäischen Unternehmen, die europäischen Märkte wiederum bleiben europäische. Unter der Kontrolle von europäischen Regulierungsbehörden. Euronext ist die erste paneuropäische Börse. Hervorgebracht aber hat sie der Euro. Wir bieten die Aktien aus vier Staaten der Eurozone an, an der Euronext ist Euribor notiert, das Hauptprodukt der Derivatenmärkte. Noch einmal: Die Fusion mit der New Yorker Stock Exchange ist ein Zusammenschluss zwischen gleichberechtigten Partnern. Einerseits werden wir den amerikanischen Markt und den Dollar haben, andererseits den europäischen Markt und den Euro.”

EuroNews: Euronext hat im vergangenen Jahr ausgezeichnete Ergebnisse verzeichnet, mit einer Rekordzahl von Handelsabschlüssen und Erstnotierungen. Besteht das Risiko, dass solche Ergebnisse nach der Fusion nicht mehr erzielt werden können?

Antwort: “Bis zur Stunde gibt es eine einzige paneuropäische Börse und die ist Euronext. Sie umfasst fünf Staaten: Belgien, die Niederlande, Portugal, Frankreich sowie den Derivatemarkt in Großbritannien. 2006 war tatsächlich ein hervorragendes Jahr für Euronext. Der Handel nahm um 35 Prozent zu. Was den eingetragenen Handel anbelangt, so sind wir die führende europäische Börse, wir liegen knapp vor London und klar vor der Deutschen Börse. Euronext ist dynamisch und diese Dynamik wird durch die künftig höhere Liquidität und die Kosteneinsparungen verstärkt.”

EuroNews: Wird die Fusion mit der New York Stock Exchange Euronext in etwas Globales verändern?

Antwort: “Eine erfolgreiche Marke verändert man nicht!”

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