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Hilfe mit Herz: Ein französisches Dorf erwies sich im Zweiten Weltkrieg als Insel der Menschlichkeit

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Hilfe mit Herz: Ein französisches Dorf erwies sich im Zweiten Weltkrieg als Insel der Menschlichkeit

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Chambon-sur-Lignon in der südlichen Auvergne – ein kleines Dorf mit einer großen Geschichte. Juden, die im Zweiten Weltkrieg vor den Nazis auf der Flucht waren, konnten hier auf Hilfe zählen. Vor allem zahlreiche Kinder fanden bei den Dorfbewohnern einen sicheren Unterschlupf – und oft sogar eine neue Familie. Berthe Kitlers Eltern nahmen für zwei Jahre einen jüdischen Jungen bei sich auf. “Er nannte meinen Vater und meine Mutter Papa und Mama”, erinnert sich die Frau. “Er wollte nicht, dass meine Mutter ihn badet oder ins Bett bringt, sondern ich sollte das machen.”

Der Ruf des kleinen Dorfes als sicherer Hafen für Verfolgte verbreitete sich, immer mehr Flüchtlinge kamen meist per Bahn nach Chambon-sur-Lignon. Die Einwohner versteckten die Hilfesuchenden manchmal jahrelang in ihren Häusern, sie verhalfen ihnen zu Papieren oder schleusten sie über die Schweizer Grenze – vielleicht von der eigenen Geschichte motiviert: In Chambon-sur-Lignon leben vorwiegend Protestanten, deren hugenottische Vorfahren im katholischen Frankreich selbst verfolgt wurden. “Wenn ein Jude hier ankam, erkannten die Dorfbewohner ihn sofort”, so der Historiker Gerard Bollon, “nicht nur als Mann aus der Bibel sondern als Verfolgten. Und in ihrem Unterbewusstsein und in ihren Herzen wussten unsere Vorfahren genau, was das bedeutete.”

Bis zu 5000 Juden wurden so gerettet – und Chambon-sur-Lignon erhielt nach dem Krieg eine Auszeichnung. Den Dorfbewohner allerdings geht es nicht um die Ehre – und so ist die Medaille für Berthe Kitler nicht wirklich wichtig. “Warum gibt man uns das?”, wundert sie sich, “wir verdienen das nicht, das haben wir immer gesagt. Wir haben doch nur unsere Pflicht getan.”