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Abbé Pierre

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Zeit seines Lebens bevorzugte Abbé Pierre die steinigen Pfade. Der “Vater der Armen”, wie sie ihn in Frankreich nannten, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Er war so etwas wie das soziale Gewissen des Landes. Landesweites Aufsehen erregte er im eisigen Winter des Jahres 1954, als Obdachlose auf den Straßen erfroren. Er organisierte eine Solidaritätsaktion von nie gekanntem Ausmaß:

Die braven Bürger, die abends ihren Kindern im warmen Zimmer den Gute-Nacht-Kuß gaben, mahnte er, sie würden sich schuldig machen vor Gott, wenn sie den Hilfsbedürftigen die Hilfe verweigerten. Aus der Nothilfe eines Winters wurde das Netzwerk “Emmaus”, aus dem sozialen Engagement in Frankreich wurde weltweite Hilfe. Zu “Emmaus” gehören heute mehr als 500 Hilfsprojekte in 40 Ländern.

Ihr Gründer wurde 1912 als Sohn eines Fabrikanten in Lyon geboren. “Abbé Pierre “ war der Deckname, unter dem der Kapuzinerpater während der deutschen Besatzung bedrohten Menschen zur Flucht verhalf. Er war so etwas wie die “Mutter Teresa” der Franzosen – nur sehr viel energischer. Noch mit 82 Jahren führte er Obdachlose bei einer spektakulären Hausbesetzung an.

Für seine Landsleute war Abbé Pierre schon zu Lebzeiten einer der drei größten Franzosen aller Zeiten – neben General de Gaulle und dem Wissenschaftler Pasteur. Diese Popularität setzte er bis zum letzten Atemzug ein zum Nutzen jener, die Hilfe brauchen. Gefragt, wie er seinen Glauben lebe, schrieb er 1994: “Bewahren wir uns die Ungeduld des Handelns und bewahren wir uns dabei den Zorn. So wird die Empörung zur Kraft, die christliche Liebe zum Mitmenschen beweist.”

Er wird noch die Bilder gesehen haben von den jungen Leuten, die so wie er für menschenwürdige Wohnungen für alle kämpfen. Ihren Verein nennen sie “Kinder von Don Quixote”, – “Kinder von Abbé Pierre” würde genauso passsen.