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2 500 Experten erfassen globalen Klimawandel

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2 500 Experten erfassen globalen Klimawandel

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Den Inuit schmilzt buchstäblich das Eis unter den Füßen weg. Auf manchen Südseeinseln zerstört steigendes Salzwasser die Äcker. Gleichzeitig machen Indien und China als extrem energiehungrige Volkswirtschaften Europa und den USA Konkurrenz. Es werden jedes Jahr mehr Kohle, Gas und Öl verfeuert.

Die Welt wird wärmer, und der Mensch ist mit schuld daran: Der vierte UN-Klimareport dürfte diesen Zusammenhang deutlicher aufzeigen als zuvor. Er wird am Freitag in Paris veröffentlicht. Dort tagt unter UN-ägide der Ausschuß zum Klimawandel IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). IPCC-Vorsitzender Rejendra K. Pachauri: “Wir haben Erkenntnisse über frühere Klimaveränderungen mithilfe unserer neusten Modelle getestet. So wollen wir die jüngst beobachteten Phänomene längerfristig einordnen.”

Mehr als 2500 Experten aus rund 130 Ländern haben sechs Jahre lang an dem Bericht gearbeitet, zum Beispiel Kenneth Denman: “Es heißt immer: Global denken, lokal handeln – in diesem Sinn hoffen wir, mehr Menschen überzeugen zu können, daß der Klimawandel eine Realität ist. Ein großer Teil geht auf unser Konto und wir müssen dringen unseren Lebensstil ändern.”

Seit dem ersten Report aus dem Jahr 1990 hat sich nur noch die Vehemenz geändert, mit der die Forscher vor einem “weiter so” warnen. Bereits vor gut einem Jahrzehnt hatte die konservative Münchener Rück, einer der größten Rückversicherer der Welt, eine erhöhten Wahrscheinlichkeit für Stürme, Sturmfluten, Unwetter, Hagelschläge und Überschwemmungen festgestellt.

Einige mögliche Prognosen für das Ende des Jahrhunderts sind bereits durchgesickert: Bis zu 4,5 Grad Plus im weltweiten Schnitt im Vergleich zum Jahr 1990. Einen vergleichbaren Temperatursprung hat die Erde seit der letzten Eiszeit vor rund 10 000 Jahren mitgemacht. Seit Beginn der Industrialisierung dürfte sich der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre etwa verdoppelt haben.

Das von einigen großen Spielern wie den USA nicht ratifizierte Kyoto-Protokoll ist ein Ergebnis der ersten UN-Klimareports und läuft in fünf Jahren aus. Darin verpflichten sich die Industriestaaten zum Kampf gegen Treibhausgase. Ein Folgeabkommen zeichnet sich bisher nirgends ab.

Thema der aktuellen IPCC-Konferenz sind die wissenschaftlichen Grundlagen, der aktuelle Stand und die Perspektiven des Klimawandels. Bis Mitte des Jahres folgen Berichte über “Auswirkungen, Anpassung und Verletzlichkeit” und eine “mögliche Entschärfung des Klimawandels” in Brüssel und Bangkok.