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Russlands Präsident Putin kündigt offenen Wahlkampf um seine Nachfolge an

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Russlands Präsident Putin kündigt offenen Wahlkampf um seine Nachfolge an

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Es war ein Auftritt nach Wladimir Putins Geschmack: Vor mehr als 1000 Journalisten erläuterte der russische Präsident am Donnerstag dreieinhalb Stunden lang seine Vorstellungen für die Zukunft, vor allem hinsichtlich der Präsidentschaftswahlen 2008. Dann nämlich muss Putin laut Verfassung sein Amt abgeben. Einen Wunschkandidaten nannte er nicht, stattdessen kündigte er einen offenen Wahlkampf an: “Ich habe bereits mehrmals gesagt, dass es keinen ausgesuchten Nachfolger geben wird, sondern nur eine Reihe von Kandidaten für das Amt des russischen Präsidenten.”

Allerdings will sich Putin das Recht vorbehalten, seinen Favoriten vor dem Wahltag öffentlich zu benennen. Laut Umfragen würde die Hälfte der russischen Bevölkerung diesen Kandidaten wählen. Außerdem wies Putin den Vorwurf zurück, Russland benütze Öl und Gas als politisches Druckmittel; und er äußerte scharfe Kritik an den umstrittenen Plänen für ein US-Raketenabwehrsystem in Tschechien und Polen.

Viele Russen verfolgten die Pressekonferenz genau – schließlich läutete Putin damit die Reihe seiner Abschiedsveranstaltungen ein. “Vielleicht tritt er doch noch einmal an”, hofft ein älterer Russe, “und wenn nicht, wird es einen würdigen Nachfolger geben, der seine Arbeit fortsetzt.” Ein Geschäftsmann allerdings ortet eine Diskrepanz zwischen Schein und Sein. Er höre Putin gern zu, sagt er, aber die Realität stelle sich doch anders dar. Eine Anspielung auf die ungelösten Probleme, die Putin seinem Nachfolger hinterlassen wird, etwa die ausufernde Korruption in Russland. Dennoch: Bei den meisten Russen gilt Putin weiterhin als beliebtester Politiker im Land.