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Vor Referendum in Portugal über Lockerung der Abtreibungsgesetze: Befürworter knapp vorn

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Vor Referendum in Portugal über Lockerung der Abtreibungsgesetze: Befürworter knapp vorn

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Spannung in Portugal vor dem Referendum am Sonntag über die Lockerung der Abtreibungsgesetze. Am Freitag, dem letzten Tag der Kampagne, versuchten Gegner wie Befürworter einer Liberalisierung noch einmal, möglichst viele Unentschlossene zu überzeugen. Derzeit gilt in Portugal eines der strengsten Abtreibungsgesetze in Europa. Der sozialistische Ministerpräsident Jose Socrates appellierte an die Bürger. In einem Rechtsstaat dürften keine Gesetze gelten, die man wegleugnen wolle und am liebsten gar nicht anwenden würde, sagte er.

Aber auch die Gegner der geplanten Lockerung, allen voran die katholische Kirche, sind zahlreich. Zwar liegen in Umfragen die Befürworter noch leicht in Führung, ihr Vorsprung wurde in den vergangenen Wochen allerdings immer kleiner. “In diesem Referendum”, so die Sprecherin einer Bürgerinitiative, “geht es um die Straffreiheit der Abtreibung bis zur 10. Schwangerschaftswoche, ohne Rechtfertigung und ohne Bedingungen.” Schon vor neun Jahren scheiterte der Versuch, eine Fristenregelung einzuführen, an der zu geringen Wahlbeteiligung. Analyst Filipe Luis sieht nun ein ähnliches Szenario heraufdämmern: “Wenn viele Menschen nicht abstimmen, gewinnen die Gegner an Boden, so wie damals. Jene, die mit Nein stimmen, sind davon überzeugt und werden auf jeden Fall ihre Stimme abgeben. Die Befürworter sind nicht so militant, und es gibt viele Menschen, denen es egal ist.”

Bislang sind Schwangerschaftsabbrüche in Portugal grundsätzlich verboten, außer in wenigen Fällen, etwa nach einer Vergewaltigung oder bei großen Risiken für die Gesundheit der Mutter. Rund 40.000 Portugiesinnen treiben jedes Jahr bei dubiosen Ärzten oder Engelmacherinnen illegal ab – und Hunderte Frauen erleiden dabei lebensgefährliche Verletzungen.