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Estlands schwieriges Verhältnis zu Sowjet-Denkmälern

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Estlands schwieriges Verhältnis zu Sowjet-Denkmälern

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Das estnische Parlament hat ein Gesetz beschlossen – ganz knapp mit 46 gegen 44 Stimmen, bei elf Enthaltungen – gegen das der Staatspräsident sein Veto einlegte. Um Denkmäler wie dieses 1947 in Tallin aufgestellte geht es. Genannt der “Bronzene Soldat”. Es symbolisiert den Sieg der Roten Armee über die Hitler-Wehrmacht. Laut Parlamentsbeschluß sollen sowjetische Kriegs-Denkmäler verschwinden.

Es geht dabei nicht nur um Geschichte, es geht auch um das heutige Verhältnis der knapp eine Million Esten zu ihren etwas mehr als 400.000 russisch-sprachigen Mitbürgern, die aus allen möglichen Teilen der ehemaligen Sowjetunion stammen. Für den Präsidenten der estnischen Verfassungspartei, Andrej Sarenkow, passt diese ganze Bilderstürmerei zur Vorstellungswelt jener Leute, die alle Russisch-Sprachigen im Land als “5. Kolonne Russlands” ansehen. Für die sei es normal, dass ein Teil der Bevölkerung seine Herkunft vergessen solle.

Proteste auch in Moskau vor der Botschaft Estlands, wobei Demonstranten daran erinnern, dass in Estland Traditionsverbände die estnischen Freiwilligen der Waffen-SS öffentlich feiern dürfen. “Ich weiss, dass in Deutschland und in anderen Ländern unsere Denkmäler in Ehren gehalten werden”, sagt diese Russin in Erinnerung an die Rolle der Roten Armee im II.Weltkrieg. “ Warum solche Reaktionen in Estland? Ich habe dort Freunde, die die Meinung ihrer Regierung nicht teilen.”

Moskau hat angeboten, das umstrittene Denkmal nach Russland zu holen. Der Vorsitzende des Duma-Aussuschhes für internationale Angelegenheiten sagt: “ Wenn es zum Schlimmsten kommt, wenn tatsächlich Denkmäler und Heldenfriedhöfe geschleift werden, dann wird Estland entsprechend katastrophale Konequenzen zu tragen haben – auf den Gebieten Handel und Wirtschaft vor allem. Russland wird so eine Aktion nicht hinnehmen.”

Was würde er dazu sagen, der “Bronzene Soldat” auf seinem Sockel in Tallin? Wie würde er es finden, dass sein Kampf gegen die Hitler-Wehrmacht nichts mehr wert sein soll, weil für die Esten die darauf folgende Sowjet-Zeit auch eine Besatzungszeit war?