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Frankreichs bekanntester Nazi-Kollaborateur ist tot: Maurice Papon stirbt im Alter von 96 Jahren

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Frankreichs bekanntester Nazi-Kollaborateur ist tot: Maurice Papon stirbt im Alter von 96 Jahren

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Der französische Nazi-Kollaborateur Maurice Papon ist tot. Er war der einzige hohe Funktionär des Vichy-Regimes, der wegen der Judendeportationen ins Gefängnis kam – allerdings erst spät und für wenige Jahre: Im April 1998 wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt, Anfang 2002 wurde jedoch er aus gesundheitlichen Gründen wieder freigelassen.

Während des Vichy-Regimes, das mit der deutschen Besatzungsmacht kollaborierte, unterzeichnete Papon Deportationsbefehle. Er war in Südwest-Frankreich für Polizei und Transport zuständig und bemühte sich um den reibungslosen Ablauf der Deportation der Juden in deutsche Konzentrationslager. Trotz seiner Kollaboration mit den Nationalsozialisten wurde Papon von Charles de Gaulle Ende der Fünziger Jahre zum Polizeipräfekten von Paris ernannt. Dort ließ Papon im Oktober 1961 eine Kundgebung der algerischen Befreiungsbewegung brutal niederschlagen. Schätzungsweise 200 Menschen wurden getötet, zahlreiche Leichen trieben die Seine herunter.

Aber Papons Karriere ging weiter: Staatspräsident Giscard d’Estaing machte ihn Ende der Siebziger Jahre zum Finanzminister. Zum öffentlichen Skandal kam es erst 1981 durch das Satirenmagazin Canard enchainé. Bis zum Prozess wegen Papons Rolle bei den Juden-Deporationen vergingen dann noch sechzehn Jahre. Papon starb im Alter von 96 Jahren in einer Privatklinik nahe Paris wenige Tage nach einer Herzoperation.