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Buch untersucht polnische Kirche und Geheimdienst

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Buch untersucht polnische Kirche und Geheimdienst

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Ein neues Buch beunruhigt Polens katholische Kirche: “Priester und der Geheimdienst” heißt es; es geht um die Kontakte zwischen Kirche und Spitzeln im kommunistischen Polen.

Geschrieben hat es Tadeusz Isakowicz-Zaleska, selbst ein Priester und früher von der SB, der polnischen Stasi, überwacht. Seine Kirche wollte von dem brisanten Thema lange nichts wissen. Bis heute könne er diesen unglaublichen Widerstand nicht verstehen, sagt er, zur Unterlagenbehörde zu gehen und mit diesen Fakten endlich einmal etwas anzufangen.

Isakowicz-Zaleska wurde bei dieser Behörde, dem Institut der nationalen Erinnerung IPN, schnell fündig. Seine Nachforschungen musste Isakowicz-Zaleska auf Wunsch der Kirche aber auf das Erzbistum Krakau beschränken. Alleine dort fand er aber rund vierzig Fälle der Zusammenarbeit von Priestern mit Spitzeln; darunter einige Bischöfe.

Das Thema war erst vor kurzem hochgekocht, als der Erzbischof von Warschau, Stanislaw Wielgus, gleich nach seiner Ernennung wieder zurücktrat – eben wegen seiner früheren Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst. Verpflichtet hatte sich der hohe Kirchenmann als Mitarbeiter “Grey” – die Akte ist erhalten.

Dem Buch zufolge gab es eine solche Zusammenarbeit bei jedem zehnten polnischen Geistlichen. In vielen Fällen hätten sich die Priester dem Geheimdienst aber auch verweigert. Die Schlussfolgerung des Buches deshalb: Die Kirche habe diesen Kampf gewonnen

Trotzdem beklagt Isakowicz-Zaleska die Schwierigkeiten, die ihm die katholische Kirche gemacht hat – bis hin zu einem zwischenzeitlichen Redeverbot. Nur Martin Luther und Jan Hus seien vor ihm so angefeindet worden, sagt er. Nicht einmal der Geheimdienst habe ihm früher solchen Schaden zugefügt wie jetzt die Kirche, in diesen schwersten anderthalb Jahren seines Lebens.