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Interview mit litauischem Präsidenten

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Interview mit litauischem Präsidenten

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Valdas Adamkus steht seit 2004 an der Spitze Litauens. Als Präsident des baltischen Staates beobachtet er die russische Energiepolitik mit Sorge – besonders die Blockade der Druschba Pipeline, die russisches Öl in baltische Staaten und nach Polen liefern soll.

Im Streit um Energielieferungen könnte Litauen an die Seite Polens treten, um Russland die Stirn zu bieten.

Um das Thema Energie geht es auch auf dem kommenden EU Gipfel in Brüssel.

Euronews: Was das russische Embargo für polnisches Fleisch betrifft: Ist es wichtiger für die EU, zuerst das Embargo aufzuheben oder das Partnerschaftsabkommen mit Russland zu unterschreiben?

Adamkus: Meiner Meinung nach muss eine Lösung, ein Kompromiss gefunden werden – auf jeden Fall darf es nicht zur Konfrontation kommen.

Polen sollte es nicht drauf ankommen lassen: Mit seinem Veto riskiert Warschau das Abkommen zwischen Russland und der Europäischen Union.

Ich hoffe, Russland kommt zur Einsicht, dass es einzelne EU-Staaten nicht unter Druck setzen kann und dass eine Lösung gefunden wird, die für uns alle annehmbar ist.

Euronews: Haben Sie denn dann nicht die Befürchtung, dass es auf dem EU Gipfel zu einer Art Machtprobe kommen wird zwischen den Staaten, die sich engere Beziehungen mit Russland wünschen, und jenen, die Russland und dessen Energiepolitik mit Sorge betrachten?

Adamkus: Ich glaube nicht, dass es bei dieser Frage Abweichler geben wird. Die EU spricht bei diesem Thema mit einer Stimme.

Meiner Meinung nach ist es ein guter Test, um herauszufinden, inwieweit wir tatsächlich als Europäische Union sprechen oder inwieweit wir diese Politik verändern, indem wir individuellen Spannungen oder Kontroversen einzelner Staaten den Vorrang geben.

Euronews: Sind Sie besorgt über Russlands Energiepolitik?

Adamkus: Mithilfe der Druschba Pipeline verfolgt Russland seine eigenen Interessen. Es ist kein Geheimnis, dass Moskau sie als Druckmittel gegen Litauen einsetzt. Das ist uns klar.

Aber es kommt nicht zur Konfrontation. Das Problem wird irgendwann gelöst werden, nämlich dann, wenn für uns alternative Energiequellen zugänglich sind.

Euronews: Welche politische Bedeutung hat der Bau eines neuen Kernkraftwerks in Ignalina?

Adamkus: Jedes Land will unabhängig sein von fremden Energielieferern. Die Kernkraft ist die Energiequelle der Zukunft. Wir wollen unter den ersten sein, die sie gewinnen. Wir wollen sie nicht nur für die Weiterentwicklung Litauens. Wir wollen sie mit unseren Nachbarn teilen und sie ihnen verkaufen.

Der Energiesektor, den wir in Litauen aufbauen wollen, soll regionale Bedürfnisse decken. Und die Atomenergie stellt eine Ergänzung für jene Quellen da, auf die wir aktuell zurückgreifen.

Euronews: Wie könnte Ihrer Meinung nach der Konflikt über die Gas-Pipeline in der Ostsee gelöst werden?

Adamkus: Es wird immer Differenzen und unterschiedliche Interessen geben, solange es sich um Energiequellen handelt. Ich hoffe, wir können den Konflikt mit gegenseitigem Verständnis und in Zusammenarbeit lösen. Gleichzeitig bauen wir die Atomkraft, unsere eigene unabhängige Energiequelle, aus.

Euronews: Was halten Sie von der Errichtung einer US Raketenabwehr-Basis, wird diese die Sicherheit in der Region verbessern?

Adamkus: Ich glaube nicht, dass die Region derzeit bedroht wird. Jede Form der Aufrüstung erzeugt Spannungen, in der ganzen Welt. Und ich hoffe, dass sich die Aufstellung der Atomwaffen in dieser Region nicht gegen die unmittelbare Umgebung wie Litauen, die baltischen Staaten oder Skandinavien richten wird. Hoffentlich werden die Spannungen nicht größer.

Vielleicht erzeugt dies mehr Verständnis bei Sicherheitsfragen.

Am besten betrachten wir dieses Thema nicht von seiner negativen, sondern seiner positiven Seite.