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Litauen setzt auf "Nuklear-Renaissance"

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Litauen setzt auf "Nuklear-Renaissance"

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Kernenergie heißt die Parole für die Zukunft im Baltikum und Polen. Nicht nur im Kampf gegen den Klimawandel, sondern auch, um aus der Abhängigkeit von Energie-Lieferungen aus Russland herauszukommen.

Die alten Atomkraftwerke sowjetischer Bauart werden, oft unter Druck der EU, nach und nach abgeschaltet.

Der Ignalina-Meiler in Litauen zum Beispiel, vom Typ des Tschernobyl-Reaktors. Ende 2009 soll er endgültig vom Netz genommen werden. Und schon plant das Land den Bau zweier neuer Reaktoren, die bis 2015 in Betrieb gehen sollen. Ignalina liefert etwa 80 Prozent des Stroms in Litauen.

Der Leiter der Abteilung Energieversorgungssicherheit beim Außenministerium, Deividas Matulionis, hält Atomenergie für die einzige kommerzielle, machbare Option, um das Problem der CO2-Emissionen anzugehen. Andere Optionen seien teurer, daher sei eine Renaissance der Nuklear-Energie nötig.

Litauen will die Nuklearenergie nicht nur für den eigenen Bedarf nutzen: Langfristig soll der Atomstrom auch Geld durch den Export einbringen, wie Präsident Valdas Adamkus erklärt: “Wir wollen zu den ersten gehören, die diese Art der Energie nicht nur zur Entwicklung des eigenen Landes nutzen, sondern sie gleichzeitig an die Nachbarn verkaufen.”

Auch Polen soll künftig litauischen Atomstrom bekommen. Derzeit decken die Polen 60 Prozent ihres Energieverbrauchs durch Kohle. Gas spielt mit etwa 12 Prozent eine geringere Rolle, wird jedoch vor allem in der Industrie genutzt,

Auch die Polen wollen unabhängiger von Russland werden. Sie haben wie ihre baltischen Nachbarn Lieferstörungen durch die Gaspipelines und die so genannte Freundschafts-Ölpipeline in schlechter Erinnerung.

“Nach dem, was im Energiesektor passiert ist, den Unterbrechungen der Gasdurchleitung durch die Ukraine, und dann Weißrussland, sind uns die Augen geöffnet worden. Das ist nicht bloß ein polnisches Vorurteil. Wir haben unsere Sicherheitsinteressen,” erklärt der polnische Außenpolitik-Experte Eugeniusz Smolar.

Neben der Versorgungssicherheit geht es um die die Verringerung des Treibhausgasausstoßes. Bis 2020 peilt die EU das Ziel an, ihn um 20 Prozent zu senken.

Die Maßnahmen dafür werden beim Gipfeltreffen in der kommenden Woche diskutiert werden. Deutschland will ein verbindliches Ziel für den Anteil der Erneuerbaren Energien festlegen, die Atomstromnation Frankreich wehrt sich. Zumindest von Polen und Balten kann sie da Rückhalt erwarten.