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Bei Chinas Sprung nach vorn kommen viele nicht mit

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Bei Chinas Sprung nach vorn kommen viele nicht mit

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Chinas Wirtschaft wächst und wächst – mit zweistelligen Prozentsätzen in den vergangenen vier Jahren. 2006 waren es wieder 10,7 Prozent. Ein Kraftakt für Menschen, Material und Umwelt. Zwei Jahrzehnte der wirtschaftlichen Öffnung haben beileibe nicht alle Probleme Chinas gelöst. Im Land der Riesenzahlen geht auch eine Problemgröße sofort in die Millionen – 84 Millionen Chinesen sind in den Städten arbeitslos, 100 Millionen auf dem Land. Allein 1,4 Millionen gut ausgebildete Berufseinsteiger finden jedes Jahr keinen Job.

In nur zwanzig Jahren haben es 10 Prozent der Chinesen geschafft, 40 Prozent der Einkommen auf sich zu konzentrieren. Mit dieser Ungleich-Verteilung übertrifft China sogar erz-kapitalistische Länder wie die Vereinigten Staaten.

Der Maßstab der Statistiker dafür heißt Gini-Koeffizient. Damit vergleicht auch die UNO die Einkommensverteilung in einzelnen Staaten. Null bedeutet Gleichverteilung, eins das Maximum an Ungleichheit. China hat bei den Einkommen mit einem Wert von 0,4 eine Alarmstufe der UNO erreicht.

Im Dauerboom der chinesischen Wirtschaft heißt der große Verlierer: Landbevölkerung. Hier hat die Armut noch nicht dem Wohlstand Platz gemacht. Die kommunistische Partei beziffert die Zahl der Armen auf dem Land mit 23,7 Millionen Menschen – verschärft dadurch, daß sich mehr als 800 Millionen Bauern und ihre Familien seit einiger Zeit an den Kosten ihren medizinischen Versorgung beteiligen müssen.

Auch die Pflichtschuljahre – es sind neun – sind nicht mehr kostenlos. Um einen Rückschritt zu verhindern, sah sich die kommunistische Partei im vergangenen Jahr deshalb gezwungen, in weiten ländlichen Teilen Chinas die Schulgebühren zu übernehmen.

In den vergangenen Jahren haben die sozialen Spannungen spürbar zugenommen. Im Jahr 2005 kam es zu 84 000 Protestaktionen. Ein wesentlicher Teil betraf illegale Enteignungen.

Dazu kommt: ein ganzes Arsenal an Umweltkatastrophen bedroht die chinesische Landbevölkerung. Das beginnt einem dramatischen Wassermangel. Die Industrie hat mit ihrem Wasserbedarf Vorrang. 70 Prozent der Wasserläufe sind verschmutzt. Aufgrund der Erderwärmung fällt weniger Schnee. Die Folge: Regelmäßige Phasen extremer Trockenheit.