Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Kampf gegen Klimawandel: Franzosen wollen Kernenergie treu bleiben


Redaktion Brüssel

Kampf gegen Klimawandel: Franzosen wollen Kernenergie treu bleiben

Trotz Widerstands in Sachen erneuerbare Energie – auch in Frankreich gibt es Ausnahmen: Im Pariser Vorort Montreuil findet sich ein Vorzeigeobjekt. Hier steht die größte Anlage im Sozialen Wohnungsbau des Landes, die erneuerbare Energie gewinnt – Solarstrom. Die Solar-Zellen auf dem Dach speisen im Schnitt 22 Megawattstunden jährlich ins Netz ein.

Die Anlage wurde von der regierungsunabhänigigen Organisation CLER mit installiert, die sie auch regelmäßig Besuchern vorführt. Die Vereinigung von Architekten, Baufachleuten und Energieagenturen versucht, die Nutzung erneuerbarer Energien in Frankreich anzuheizen. Diese machen bislang nur etwa sechs Prozent in Frankreichs Energiemix aus.

CLER-Chef Arnaud Brunel gibt nicht auf: “Heute diskutieren wir nicht mehr über den Platz der Nuklearenergie gegenüber den erneuerbaren Energien, sondern wir fördern Energieeffizienz, wir entwickeln die erneuerbaren Energien, die hier quasi nicht existieren, insbesondere beim Strom.”

Mit Sonnen- oder Windenergie tun die Franzosen sich schwer, der Strom kommt zu 80 Prozent aus Kernkraftwerken. Eine Überproduktion, klagt CLER, die den nationalen Energieverbrauch erst noch antreibt und ebenso die Strom-Exporte. Im EU-Durchschnitt sind es nur rund dreißig Prozent.

Nun im Kampf gegen den Klimawandel verstärkt auf Atomenergie zu setzen, hält Frauke Thies von Greenpeace für falsch: “Bei der Nuklearenergie haben die Mitgliedsstaaten verschiedene Standpunkte. Und keine EU-Präsidentschaft kann darüber entscheiden. Bei der erneuerbaren Energie haben wir eine neue aufkommenden Technologie, die vielsprechend ist und der jeder zustimmen kann.”

Ob erneuerbar oder nuklear – jede Energieform hat ihre Kritiker. Ungeachtet der jahrlang strahlenden Abfälle der Kernenergie pocht Frankreich auf die in Kohlendioxid gemessen saubere Energie. Die findet bei anderen Mitgliedsstaaten wie Deutschland, Österreich oder Irland wenig Anklang. Auch die EU-Kommission will mehr Erneuerbares.

“Die Vorschläge der EU-Kommission zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes sind nicht klar. Wenn wir die Emissionen senken wollen, die Abhängigkeit von Drittstaaten verringern und Europas Stromversorgung garantieren wollen, dann müssen wir klar sehen, dass alles von der Nutzung der Nuklearenergie abhängt”, meint hingegeben Santiago San Antionio vom Europäischen Atomforum, der Brüsseler Atomlobby.

Das Ziel, den Kohlendioxid-Ausstoß in der EU bis 2020 um zwanzig Prozent zu senken – darauf dürften sich die Staats- und Regierungschefs in dieser Woche einigen. Auf welchen Strom sie dabei setzen – darüber wird wohl auch nach dem Gipfel noch gestritten werden…

Mehr zu:

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Nächster Artikel

Redaktion Brüssel

Deutschland will drastische Senkung der Kohlendioxid-Emissionen vorschlagen