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die alltägliche Armut im Irak von 2007

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die alltägliche Armut im Irak von 2007

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Eine Straße voller Schlaglöcher und Pfützen. Hier entlang geht es nach Sadr-City, dem Wohngebiet der armen Schiiten von Bagdad. Wie sie hier leben müssen zeigt uns Idan Hizam. Seine Eltern haben ihn mit Frau und vier Kindern in ihrem ohnehin schon engen Haus aufgenommen.

Nach Arbeit sucht er Tag für Tag – gefunden hat er bisher höchstens Tagelöhner-Jobs. Am 2. Februar 1985 wurde er aus dem Polizeidienst entlassen, seither habe er nie mehr eine feste Arbeit gehabt, berichtet der verbitterte Familienvater. Sein Bruder wurde unter Saddam Hussein hingerichtet, er wurde entlassen.

Ganze drei Zimmer hat das Haus, in dem nun auch noch die sieben-köpfige Familie von Idans Schwester Unterschlupf gefunden hat. “Wohnen” kann man das Gedränge nicht mehr nennen. Idans Nichte berichtet, sie seien aus einer überwiegend von Sunniten bewohnten Gegend geflohen, nachdem ihr Bruder getötet wurde. “Das ist sein Sohn”, sagt sie, auf das Kind in ihren Armen weisend. Als Zuflucht blieb nur das Haus der Großeltern.

Armut, Arbeitslosigkeit, zerstörte Infrastruktur und die über allem liegende ständige Angst vor Gewalt. Das ist der Alltag der meisten Iraker. Die Feinseligkeiten auf Grund von ethnischen oder religiösen Unterschieden bedrohen das Leben dieser Menschen. Dies hier ist ein sunnitisches Wohngebiet, wohin die Bewohner vor ihren schiitischen Nachbarn geflohen sind…..

Diese Frau hat schon dreimal das Haus wechseln müssen. Ihr Mann, der 10 Jahre in Saddam Husseins Armee diente, findet keine Arbeit mehr. Ihre Tochter lässt sie nicht mehr zur Schule gehen aus Angst vor Mordanschlägen und Entführungen. Jedesmal wenn die Söhne das Haus verlassen, ist sie ganz krank vor Angst. Aber was soll man tun, seufzt die irakische Sunnitin. Die Söhne putzen Regierungsgebäude, um das Essen für die Familie zu verdienen. Alle leiden sie im heutigen Irak unter der Armut. Die ehemals bevorzugten Sunniten ebenso wie die unter Saddam unterdrückten Schiiten.