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Aufhebung eines Deportationsurteils gegen die französische Staatsbahn.

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Aufhebung eines Deportationsurteils gegen die französische Staatsbahn.

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Das Verwaltungsgericht der Stadt Bordeaux hat ein Urteil gegen die französische Staatsbahn SNCF wegen Deportationen im Zweiten Weltkrieg wieder aufgehoben. Eine reichhaltige Dokumentation beleget, dass die SNCF damals Juden und Widerstandskämpfer aus ganz Frankreich in das Lager Drancy gebracht hatte – und diese Transporte auch als “Reisen dritter Klasse” in Rechung gestellt hatte. In Drancy gab es ein Zwischenlager, von dem aus die Deutsche Besatzungsmacht den Weitertransport nach Auschwitz organisierte.

Die Schuld dafür liege aber nicht bei der Bahngesellschaft, erklärt deren Anwalt Yves Baudelot: Die SNCF hätte gar keine andere Möglichkeit gehabt. Weil sie unter Befehl der deutschen und der damaligen französischen Behörden gestanden habe.

Zwei französische Grünen-Politiker hatten vor einem Jahr die SNCF verklagt. Ihr Vater Georges Lipietz und mehrere Familienmitglieder waren 1944 verhaftet und mit anderen Juden per Bahn nach Drancy gebracht worden. Für den Sohn Alain Lipietz, entzieht sich das Gericht seiner Verantwortung: Es täte, als ob die Deportation eine normale kommerzielle Dienstleistung gewesen sei.

Fast 80.000 französische Juden sind im Zweiten Weltkrieg deportiert worden. Viele von ihnen – zumindest auf Teilstrecken – von der französischen Staatsbahn. Die Aufhebung des Urteils gegen die SNCF könnte ein Präzedenzfall werden: Denn allein in Frankreich stehen noch über 1800 ähnliche Klagen aus. Und auch in den USA befassen sich Gerichte mit Vorwürfen gegen die französische und andere europäische Bahngesellschaften.