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SNCF-Urteil wegen Judendeportationen gekippt

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SNCF-Urteil wegen Judendeportationen gekippt

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Die französische Bahngesellschaft SNCF muss wegen der Deportation von Juden in der Nazizeit vorerst keine Entschädigung zahlen. Ein Berufungsgericht kippte ein Aufsehen erregendes Urteil vom letzten Sommer; allerdings nur, weil Verwaltungsgerichte für den Fall nicht zuständig seien. Laut diesem ersten Urteil mussten SNCF und der französische Staat rund sechzigtausend Euro an die Nachkommen eines Opfers zahlen.

Insgesamt wurden damals 76 000 Juden aus Frankreich in Nazi-Konzentrationslager deportiert, alle in Zügen der SNCF, meistens zusammengepfercht in Güterwagen – die SNCF stellte den Opfern dann aber eine normale Reise dritter Klasse in Rechnung. Inzwischen liegen gegen das Bahnunternehmen mehr als zweihundert weitere Klagen vor. Kritiker werfen der SNCF bei den Massentransporten williges Einverständnis vor; das Unternehmen selbst verteidigt sich damit, es habe Anordnungen befolgen müssen.