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Wie kommt der terrorismus nach Marokko?

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Wie kommt der terrorismus nach Marokko?

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Da hatte man wohl auch im Westen lange zeit gehofft, die marokkanische Monarchie mit ihren Reformansätzen könnte das Land vor islamistischer Gewalt bewahren. Falsch gedacht. Weder reichlich bewaffnete Staatsdiener – noch die für arabische Verhältnisse sehr offene Auseinandersetzung mit dem Unterdrückungsregime des verstorbenen Königs-Vaters haben Anschläge verhindern können.

Im Mai 2003 gab es in der Touristenhochburg Casablanca 24 Tote. Die Attentäter hatten sich symbolträchtige Ziele gesucht:
Orte, an denen sich westliche Touristen aufhalten, Orte der jüdischen Gemeinde und die “Casa de Espana”, einen auch von Marokkanern gern besuchten Klub spanischer Geschäftsleute.

Seither wird in Marokko wieder scharf kontrolliert – fast wie in den unsäglichen Zeiten der königlichen Unterdrückung. Die Behörden vermelden 3.000 Festnahmen und die Enttarnung von 50 Islamistenzellen, diverse mit Verbindung zu al Kaida.

Erst Ende März waren wieder vier Verdächtige festgenommen worden – hier – einem der Elendsquartiere von Casablanca.
Auch sie sollen Anschläge auf Touristen geplant haben.

Wer wissen will, warum im relativ aufgeklärten Marokko Terroristen Anhang finden, der sollte sich solche Siedlungen der Hoffnungslosigkeit ansehen. Marokko gehört zu jenen Maghreb-Ländern mit den meisten Armen – eine Analphabetenrate von mehr als 50 Prozent spricht für sich.

Dies hier ist die Kehrseite, die der Tourist in den weltoffenen Städten mit ihrer westlich gebildeten Oberschicht nicht zu sehen bekommt.

Verzweiflung und dann Anfälligkeit für extremitische Organisationen wachsen in Städten wie Tetuan, wo sich an der Korruption der Verwaltung so wenig geändert hat wie an ihrer Unfähigkeit, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern.

Der spanische Journalist Jamal Ouahbi, der hier recherchiert hat, bestätigt, ja, hier werde al-Kaida-nachwuchs rekrutiert.

Marokko ist nur durch Zäune von den beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla getrennt.
Nachdem auch schon in Ceuta Verdächtige festgenommen wurden, wächst die Angst auch auf dem spanischen Festland.