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Ehemalige Umweltministerin Royal in zweiter Runde

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Ehemalige Umweltministerin Royal in zweiter Runde

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Segolene Royal, will Nähe. So lautet ihr Credo. So hält sie es auch im Wahlkampf, etwa beim Besuch streikender Fabrikarbeiter. Sie hält sich an die Strategie, dicht bei den Menschen zu sein, viel zuzuhören und nichts zu versprechen, was sie nicht halten kann. Ihre Gegner sagen, sie setze zu sehr auf die weibliche Karte. Sie hatte gerade die ENA absolviert – die Kaderschmiede der französischen Elite – als der 1981 neu gewählte linke Präsident Mitterrand junge Leute für seinen Beraterstab suchten.

Das war für sie der entscheidende Karriereschub. 1992 wurde sie Umweltministerin und 1997 bis 2002 Familienministerin. Während 2002 ihre Partei die Parlamentswahlen verlor – lieferte sie zwei Jahre später einen Hoffnungsschimmer. Eine einzige Region Frankreichs wird seit 2004 von der Sozialistischen Partei geführt – von Segolene Royal. Die dabei gemachten Erfahrungen nutzte sie für den Aufbruch zum höchsten Ziel. Erstmals bestimmten die Sozialisten ihren Präsidentschaftskandidaten bei einer Urwahl; und die gewann Royal klar vor Rivalen, die alle schon einmal wichtige Ministerien oder gar die Regierung geführt hatten.

Im November 2006 startete sie vor allen anderen Kandidaten in den Wahlkampf, was ihr zunächst einen satten Vorsprung in den Umfragen verschaffte. Sie nutzte die Zeit, um sich auch auf dem ihr bisher eher unbekanntes internationales Terrain zu zeigen, wobei sie einige Wissenslücken offenbarte. Zwischenzeitlich gab es auch Stress im eigenen Team, als ihr Wirtschaftsberater einige ihrer Positionen auf diesem Gebiet als “amateurhaft” kritisierte.

Dazu kam, dass sie keineswegs eine geschlossene Partei hinter sich hatte. Einerseits weil die von ihr verdrängten Granden noch grollten, andererseits weil sie mehrfach mit populistischen Wendungen das Parteiprogramm ignorierte. Und das, obwohl der Hüter des Programms, der Parteichef der Sozialisten, Francois Hollande, seit fast 30 Jahren ihr Lebensgefährte und Vater ihrer vier Kinder ist.

Dass er, wenn Madame im Elysee-Palast regiert, nur noch den “First Gentleman” gibt, das kann man sich in Frankreich nicht so recht vorstellen.