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Zum Tode von Boris Jelzin

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Zum Tode von Boris Jelzin

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Boris Jelzin – wie er der Welt in Erinnerung bleiben wird. Ein lebensvoller Kraftmensch – der nach gut-russischer Tradition auch gern dem russischen “Wässerchen” zusprach…..hier bei einer Geburtstagsfeier mit seinem selbst erwählten Nachfolger Wladimir Putin.

Boris Nikolajewitsch Jelzin, geboren 1931, wuchs hinein in die Stalinzeit. Er studierte an der Polytechnischen Universität in Swerdlowsk und wurde Bauingenieur. Mit 30 Jahren Mitglied der kommunistische Partei, rascher Aufstieg zum erster Sekretär des Gebietskomitees von Swerdlowsk. Dann ZK-Mitglied, 1985 Parteichef von Moskau und Kandidat des Politbüros. Im Streit mit dem inzwischen an die Macht gekommenen Gorbatschow verlor er beide Ämter wieder. Mit dem Putsch von Alt-Kommunisten im August 1991 gegen Partei-und Staatschef Gorbatschow kam Jelzins Stunde: Während andere Politiker ängstlich abwarteten schwang er sich auf den nächsten Panzer und rief: “ Die Reaktion darf nicht durchkommen!”

Die Sowjetunion war nicht zu halten, das hatte er eher erkannt als Gorbatschow. Nach diesem öffentlichen Streit der beiden Männer zerbrach die UdSSR im Dezember ’91 – aus den ersten freien Wahlen ging Boris Jelzin als Präsident Russlands hervor.

Mit dieser Präsidentenmacht löste Jelzin im September ’93 Jelzin die Duma auf und rief Neuwahlen aus, doch das Parlament widersetzte sich. Jelzin befahl der Armee, das Parlament zu beschießen. Etwa 200 Menschen starben.

Nur ein Jahr später fällte Boris Jelzin eine Entscheidung, die manche als den größten Fehler in seiner politischen Karriere bezeichnen. Er schickte Truppen in die nach Unabhängigkeit strebende Kaukasus-Republik Tschetschenien. An diesem Krieg sollte Russland auch mehr als ein Jahrzehn später noch leiden.

Mitte der 90er Jahre durfte der russische Präsident aber auch friedliche Missionen geniessen – so wie hier vor dem Roten Rathaus in Berlin im Sommer 1994 beim Abschied der letzten Besatzungstruppen aus dem wiedervereinigten Deutschland.

Ein anderes mal rockte der russische Präsident für die eigene Wiederwahl. Das war 1996. Da machten ihm schon Gesundheitsprobleme zu schaffen. Es folgten zwei Herzinfarkte, ehe er sich im November 1996 der ersten Bypass-Operation unterzog. Es sollte nicht die letzte bleiben. Boris Jelzin kehrte zwar noch einmal zurück auf der politischen Bühne, doch seine Gesundheitsprobleme liessen sich nicht mehr verbergen.

Bei offiziellen Anlässen liessen ihn mal die Beine, mal das Gedächtnis im Stich… Boris Jelzin war stets ein Politiker, der polarisierte. Unbestritten sein Verdienst für Russland: Er begleitete das Land auf dem Weg in die Demokratie.