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Abdullah Gül - Präsidentschaftskandidat

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Abdullah Gül - Präsidentschaftskandidat

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Dies sind Bilder des bisher größten politischen Triumpfes des Abdallah Gül. Im November 2002 gewann die erst ein Jahr zuvor gegründete “Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung” – AKP – die Parlamentswahlen. Der politische Islam war in der laizistischen Türkei angekommen.

Von jahrelang zunehmender Unzufriedenheit getrieben hatten die Wähler jene Politker von der Macht verbannt, die sie als verantwortlich für Wirtschaftskrise und Korruption ansahen. Als Erneuerer präsentierten sich in dieser Lage islamisch geprägte Persönlichkeiten, die ihre ersten politischen Erfahrungen in der später verbotenen islamistischen “Wohlfahrtspartei” – RP – gesammelt hatten.

Und Abdullah Gül durfte den Machtwechsel vollziehen. Für gut vier Monate führte er die neue Regierung. Dann hatte sein Gefährte Recep Tayip Erdogan die nötigen Formalitäten erledigt, um übernehmen zu können.

Der fließend englisch sprechende Gül – er hatte als Doktorand für Wirtschaftswissenschaften zwei Jahre in Großbritannien gelebt – wurde nötiger als Außenminister gebraucht. Ein Mann, der den Westen aus eigener Erfahrung kennt, auch als Wirtschaftsexperte in der Islamischen Entwicklungsbank in Saudi Arabien. Abdullah Gül verstand es sehr gut, auf der internationalen Bühne sein Credo zu vertreten, das da lautet: “ Ein Land mit muslimischer Identität kann demokratisch sein, transparent und in die moderne Welt passen. Das werden wir beweisen.”

Abdullah Gül gehört zu jenen Politikern, die begriffen, dass ihre Partei in der laizistischen Türkei nur eine Chance haben kann, wenn sie sich nicht mehr islamisch – sondern demokratisch und konservativ definiert.

Dabei scheinen die Bürger der Türkei durchaus wichtige Nuancen in den Positionen der einzelnen AKP-Politiker auszumachen. Gegen Erdogan als Präsident gingen viele auf die Straße. Gül erscheint als der bessere Garant für das Verfassungsprinzip der Trennung von Religion und Staat.