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Boris Jelzin- Aufstieg und Niedergang

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Boris Jelzin- Aufstieg und Niedergang

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Ein ehemaliger Kommunistenchef im Konsumtempel des Klassenfeinds – deutlicher kann man kaum zeigen, in welchen Umbruchzeiten dieser Mann an die Macht kam. Als Boris Jelzin schwor, Russland zu bewahren, da war die Weltmacht UdSSR, in deren Zentrum Russland ein Menschenalter lang lag, gerade auseinandergebrochen. “Viele Menschen werden Jelzin in Erinnerung behalten in Zusammenhang mit den wilden 90ern voller Krisen, Inflation und Bereicherung der Oligarchen”, sagt der Politikwissenschaftler Pavel Felgenbauer

In diesem Moment, als Ende 1991 sich Michael Gorbatschow und Boris Jelzin vor einem vollen Saal am Mikrofon heftig stritten, wurden die Weichen der Weltgeschichte neu gestellt. Der mutige Reformer Gorbatschow, der den Kalten Krieg beendet hatte, wollte seine Sowjetunion bewahren.

Da hatte Jelzin schon erkannt, dass es dazu zu spät war – und griff pragmatisch-unsentimental nach der Macht. Wie die funktionieren könnte, dazu entwarfen begabte Jung-Politiker wie Anatoli Tschubais die Konzepte. Für den Weg in die Marktwirtschaft mit Privatisierungen, die allen rechtsstaatlichen Prinzipien Hohn sprachen. Wer das am schnellsten begriff und die wenigsten Skrupel hatte, wurde reich. “Oligarchen” nennt man diese Leute bis heute.

Sie haben Banken, Medien, Firmenimperien gegründet und damit in der russischen Wirtschaft vollendete Tatsachen geschaffen… und sie haben damit Millionen Menschen, die am kommunistische Grundversorgung gewöhnt waren, ins Elend gestützt. Einen blutigen Bürgerkrieg hat Jelzin verhindert, das Ausbluten des Landes aber zugelassen…

Spätestens nach seiner Wiederwahl 1996 taumelte das Land am Rande des Bankrotts,von Korruption zerrüttet, ohne funktionierende Verwaltung von einem Bankenkrach in die nächste Zahlungsunfähigkeit staatlicher Stellen. Rentner, Lehrer, Ärzte, Bergleute bekamen monatelang keine Rente, keinen Lohn mehr ausgezahlt.

Mehr und mehr nahm die Weltöffentlichkeit die physische Schwäche des kranken Präsidenten auch als Schwäche des Landes wahr. Quasi mit letzter Kraft baute Boris Jelzin seinen Nachfolger Wladimir Putin auf, der nicht nur das Land führen – sondern auch die Familie Jelzin vor peinlichen Nachforschungen über deren Finanzen bewahren konnte.