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Wieder Ausschreitungen russischstämmiger Jugendlicher in Estland

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Wieder Ausschreitungen russischstämmiger Jugendlicher in Estland

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In der zweiten Krawallnacht in Folge sind in Estland fast 100 Menschen verletzt worden. Nach Augenzeugenberichten zogen am späten Freitagabend rund 2000 randalierende Jugendliche durch die Hauptstadt Tallin. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben mehr als 600 mutmaßliche Randalierer fest.

Auch in anderen Städten kam es zu Ausschreitungen vornehmlich russischstämmiger Jugendlicher. Auslöser der Gewalt war die Demontage eines sowjetischen Kriegerdenkmals im Zentrum der Hauptstadt Tallin. Für Russen symbolisiert es den Sieg über Nazi-Deutschland, für Esten hingegen den erzwungenen Anschluss an die Sowjetunion. Russischstämmige Esten machen rund ein Viertel der Bevölkerung des baltischen Staates aus. Bei Gewalttätigkeiten in Nacht zum Freitag war in Tallin ein 19-jähriger getötet worden. Laut Autopsiebefund wurde er erstochen.

Es mache ihr etwas Angst, wie die Russen hier randalieren, sagte eine Frau. Ein russischsprachiger Mann hingegen erklärte, er habe kein Verständnis für die Entfernung des Denkmals: Schließlich werde doch weltweit der Befreiung vom Faschismus gedacht. Dass solche Krawalle in Estland passierten, sei schrecklich, meinte ein estnisch sprechende Frau: Sie habe gedacht, dass komme nur bei weniger gebildeten Völkern weiter im Osten vor.

Der Konflikt um das Denkmal belastet auch die Beziehungen Estlands mit dem großen Nachbarn Russland. In Moskau kam es erneut zu Protesten vor der estnischen Botschaft, und das Oberhaus der russischen Föderation forderte den Abbruch der diplomatischen Beziehungen.