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Demonstrationen gegen Gül und Militär - Türkische Regierung weist Militär in die Schranken

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Demonstrationen gegen Gül und Militär - Türkische Regierung weist Militär in die Schranken

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Die Auseinandersetzung um die Präsidentenwahl in der Türkei weitet sich aus. In Ankara und Istanbul gingen zahlreiche Menschen auf die Straße, um gegen den Kandidaten von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, Außenminister Abdullah Gül, zu protestieren. Sie befürchten mit der Übernahme des Präsidendentenamtes durch einen Kandidaten der islamisch-konservativen Partei AKP eine weitere Islamisierung des Landes. Gül war in der ersten Runde der Wahl im Parlament knapp an der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehreit gescheitert. Nach einer Beschwerde der Opposition soll nun das Verfassungsgericht über die Gültigkeit der Wahl entscheiden. Der nächste Wahlgang ist für den kommenden Mittwoch vorgesehen. Wenige Stunden nach der ersten Abstimmung hatte sich das Militär in die Wahl eingemischt. Es sieht sich als Hüterin der laizistischen Verfassung der Türkei. Die Armeeführung bekräftigte, dass sie die Trennung von Staat und Religion “entschieden verteidigen” werde. Viele Kommentatoren warnten daraufhin vor einem weiteren Militärputsch. Regierungssprecher Cemil Cicek sagte, es sei unvorstellbar, dass eine Institution wie das Militär, das dem Ministerpräsidenten unterstehe, sich in einem demokratischen Staat in irgendeiner Hinsicht gegen die Regierung ausspreche. Das Militär hat in der Türkei bereits drei Mal geputscht: 1960, 1971 und 1980. Viele Menschen gehen nun auch gegen die Armee auf die Straße, weil sie sich an die mit den Staatsstreichen verbundenen schweren Restriktionen im Land erinnern dürften.