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Jugendliche stürmen Redaktionsräume in Moskau wegen Denkmal-Streit mit Estland

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Jugendliche stürmen Redaktionsräume in Moskau wegen Denkmal-Streit mit Estland

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Tumultartige Szenen bei der Wochenzeitung “Argumenti i Fakti” in Moskau. Mitglieder der Kreml-nahen Jugendorgani-sation “Nashi” stürmten in das Gebäude und riefen “Schande über Estland” und “Die Faschisten werden nicht durchkommen” – nur Minuten bevor die estnische Botschafterin dort eine Pressekonferenz abhielt.

Ihr Protest galt erneut der Verlegung eines sowjetischen Kriegerdenkmals aus dem Stadtzentrum von Tallinn auf einen Soldatenfriedhof am Rand der estnischen Hauptstadt.

Einer ihrer Sprecher sagte: “Seit Tagen protestieren wir bereits vor der estnischen Botschaft und verlangen von der Botschafterin, sich bei uns zu entschuldigen für die Worte des estnischen Ministerpräsidenten, der die gefallenen Soldaten als Verbrecher und Betrunkene bezeichnet hat.”

Bei der Pressekonferenz, die die estnische Botschafterin einberufen hatte um von Russland zu mehr Schutz für ihre diplomatische Vertretung zu fordern, dann scharfe Worte gegenüber Moskau:

“Wir beraten momentan mit unseren Partnern der Europäischen Union, welche Maßnahmen die EU jetzt ergreifen wird. Aber ich kann ihnen sagen, das werden konkrete Maßnahmen im Bereich der Beziehungen mit Moskau sein”, so die Botschafterin des baltischen Staates.

Die Europäische Union hat mittlerweile von Russland den Schutz der estnischen Botschaft in Moskau und der dort tätigen Diplomaten gefordert.

Der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves reagierte unterdessen auf die jüngsten Zwischenfälle gegenüber dem staatlichen estnischen Fernsehen betont gelassen.

“Als eines der pro-euopäischsten und auch als eines der erfolgreichsten neuen Mitgliedsländer der Europäischen Union, werden wir uns davor hüten, uns in Konflikte verstricken zu lassen. Das steht für uns absolut fest. Sehen Sie, es geht hier nicht um ethnische Spannungen, sondern es geht darum, mit denen fertig zu werden, die Gewalt anwenden.”

Die Verlegung des sowjetischen Kriegerdenkmals verteidigte Ilves.

Während Denkmäler dieser Art in Russland als unantastbar gelten, betrachtet Estland solche nicht als Erinnerung an die Befreiung von den Nazis, sondern als Symbol für den Beginn der sowjetischen Besatzungszeit.