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Frankreich nach dem Fernsehduell: Weder Gewinner noch Verlierer ausmachbar

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Frankreich nach dem Fernsehduell: Weder Gewinner noch Verlierer ausmachbar

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Am Tag nach der TV-Debatte im Präsidentschaftswahlkampf diskutiert Frankreich, wer aus dem Duell als Sieger hervorgeht.

Wer von beiden sich besser schlug, ist nur schwer zu beantworten, weitgehend Einigkeit herrscht jedoch darüber, daß die Debatte erst nach über einer Stunde in Fahrt kam.

Dann nämlich, als der konservative Kandidat Nicolas Sarkozy sagte, behinderten Kindern müsse das uneingeschränkte Recht zukommen, öffentliche Schulen besuchen zu können.

Seine sozialistische Rivalin Segolene Royal hatte dies einst als Bildungsministerin Ende der 90er Jahre eingeführt, die konservative Regierung hatte es später jedoch wieder abgeschafft und erst seit 2005 ist es in neuer Form wieder in Kraft.

Royal zeigte sich im Anschluß an Sarkozys Aussagen von ihrer emotionalen Seite und warf ihrem Konkurrenten die Instrumentalisierung einer wichtigen Frage und damit immoralisches Verhalten vor.

Sarkozy versuchte zu kontern und fragte rhetorisch: “Warum regen Sie sich denn so auf?”

Royal darauf: “Ich rege mich nicht auf, aber so etwas macht wütend.”

Im Anschluß lieferten sich beide Kandidaten auch zum Thema Zukunft der Europäischen Union heftige Wortgefechte, besonders als es um einen eventuellen EU-Beitritt der Türkei ging, den Sarkozy kategorisch ausschließt, Royal hingegen will weitere Entwicklungen in der Frage abwarten.

Am Morgen danach dann zeigte sich Sarkozy zufrieden gegenüber Journalisten, alles sei gut gelaufen, so der 53-jährige.

Weniger gut für ihn dürfte jedoch sein, daß Zentrumskandidat Francois Bayrou nach dem Fernsehduell erklärte, er werde nicht für Sarkozy stimmen, wenngleich er offen hielt, ob er Royal wählen oder sich enthalten wird. Bayrou hatte beim ersten Wahlgang 6,8 Millionen Stimmen erhalten.

Die Frau, die bei der Stichwahl am kommenden Sonntag Frankreichs erste Präsidentin der Geschichte werden will, erklärte unterdessen in einem Radio-Interview, Sarkozy habe sein wahres Gesicht in der Debatte gezeigt. Erst würde er hart austeilen und sich dann als Opfer inszenieren.

Mehr als 20 Millionen Zuschauer verfolgten das Fernsehduell auf den Bildschirmen, so viel wie noch nie zuvor – ein Rekord in der “Grande Nation”.