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Präsidentenwahl verloren - wie weiter bei Frankreichs Sozialisten?

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Präsidentenwahl verloren - wie weiter bei Frankreichs Sozialisten?

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So sieht eine französische Voll-blutpolitikerin am Morgen nach ihrer schwersten Wahlniederlage aus: Das Make-up perpekt, das Lächeln ein wenig zurückhaltender, aber wirklich nur ein wenig. Nach der Niederlage ist für Segolene Royal vor dem nächsten Kampf. Den vor der Parteizentrale in der rue de Solferino wartenden Journalisten sagt sie:” Wir müssen zusammenstehen, wir müssen uns jetzt Zeit nehmen, um die Ursachen zu erforschen.”

Zur Ursachenforschung brauchen sich die Sozialisten nur die Machtkämpfe anzusehen, die der Nominierung der Kandidatin Royal vorausgingen. Die mächtigen alten Herren der Partei konnten ihr monatelang ihren forschen Anspruch nicht verzeihen,
ganz zu schweigen von ihrer Popularität bei der Parteibasis.

Dominique Strauss-Kahn, der sozialdemokratisch orientierte Wirtschaftsfachmann, den sie in letzter Minute als ihren “Wunsch-Premier” präsentierte, nennt es “eine ganz schwere Niederlage.” “Zum drittenmal hintereinander haben wir Präsidentenwahlen verloren… Jetzt müssen wir uns ans Erneuern machen Ich stehe dafür zur Verfügung.”

Laurent Fabius, unter Mitterrand in den 80er Jahren sogar schon einmal Regierungschef und innerparteilich alles andere als ein Freund der gescheiterten Kandidatin, kommentiert ihre Niederlage mit den Worten: “Wir waren nicht wirklich davon überzeugt, dass unsere Kandidatin Staatsoberhaupt werden könnte…”

Bleibt Royals Lebensgefährte Francois Hollande, zufällig ist er gleichzeitig der Parteivorsitzende. Auch er bedient am Morgen danach ohne Pause die vor der Parteizentrale wartenden Medien. Zum Beispiel mit folgenden Sätzen über die Mutter seiner vier Kinder: “Sie kann Hoffnung verbreiten. Präsidentin ist sie nicht geworden, das bedauere ich sehr. Aber wegen ihrer großen Popularität muss sie mit uns in diesen nächsten Wahlkampf ziehen.”

Bei diesem nächsten Wahlkampf geht es um die Nationalversammlung. Wahltermine sind der 10. und der 17. Juni. Bisher hatten die Franzosen immer dem kurz zuvor gewählten Präsidenten anschließend auch zu einer Parlamentsmehrheit seiner Partei verholfen.

Hätte der Präsident nämlich das Parlament gegen sich, wäre das Land gelähmt. Diese sogenannte “Kohabitation” hat heute Arnaud Montebourg, einer der Sprecher von Segolene Royal, in einem Interview als nicht wünschenswert bezeichnet.
Das Land brauche vielmehr eine ausgewogene demokratische Debatte.