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Denkmalsstreit in Tallin

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Denkmalsstreit in Tallin

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Wo einst in Tallin das Denkmal des Sowjet-Soldaten stand, wird jetzt eine Grünanlage angelegt. Das Denkmal, das übrigens ein estnischer Künstler schuf und für das ein estnischer Soldat der Roten Armee Modell stand, findet man jetzt auf einem Soldatenfriedhof am Stadtrand.

Wie ihre Nachbarn, die Litauer und Letten, waren auch die Esten Untertanen des Zaren. Die Bolschewiki unter Lenin gewährten den drei Staaten die Unabhängigkeit, woraufhin die sich gegen den Bolschewismus entschieden.

An Stalin ausgeliefert wurden sie 1940 durch den Hitler-Stalin-Pakt. Esten, Letten und Litauer bildeten eigene Verbände der Waffen-SS, um gegen die Rote Armee zu kämpfen. Die aber kehrte als Siegerin zurück – und der im Kreml herrschende Georgier Josef Stalin verfügte die Eingliederung der Besiegten als Unionsrepubliken in die UdSSR.

1991 zerbrach dieser Staat, Estland proklamierte seine Unabhängigkeit und ersetzte als Amtssprache Russisch durch Estnisch..

Nun haben aber – als Erbe der Sowjetunion – 30 Prozent der Einwohner Estlands RUSSISCH als Muttersprache. 178.000 davon besitzen die estnische Staatsbürgerschaft, 92.000 die russische aber 120.000 gelten als staatenlos.

Natürlich stieß der NATO-Beitritt der Länder direkt vor der eigenen Haustür in Moskau nicht auf Begeisterung. Für Russland, das sich als Nachfolger der einstigen Weltmacht Sowjetunion versteht, war schon die von Gorbatschow zugestände NATO-Mitgliedschaft des wiedervereinigten Deutschlands schwer zu verkraften…..

Da verwundert es nicht, wenn aus Moskau immer wieder mehr oder weniger diplomatisch verbrämte Vorwürfe kommen, etwa wenn Außenminister Lawrow abwertend von der Rolle der baltischen Staaten in EU und NATO spricht.

Und manchmal heizen eben beide Seiten die Spannungen zusätzlich an. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie solche “Proteste” des kreml-treuen Jugendverbandes vor der Botschaft Estlands in Moskau zustande kommen…

Estlands Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves sieht einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Spannungen und den in Russland bevorstehenden Parlaments- und Präsidentschafts-Wahlen. Er erinnert daran, dass zum Beispiel 1999 vor den Wahlen der Tschetschenien-Krieg neu angeheizt wurde, im vergangenen Jahr ging es gegen Georgien – und jetzt sei eben Estland dran, als Feind, auf den man eindreschen könne.

Übrigends haben an diesem 8. Mai 2007 Regierungsmitglieder des EU- und NATO-Staates Estland auch an den Gräbern von Angehörigen der Waffen-SS Blumen niedergelegt…