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Nordirland bekommt eine Regionalregierung

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Nordirland bekommt eine Regionalregierung

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Ein historischer Tag in Nordirland: Nach Jahrzehnten blutiger Kämpfe und jahrelangem politischen Stillstand hat die Provinz wieder eine Regionalregierung. Die einst verfeindeten Protestanten und Katholiken haben dazu eine Koalition gebildet.

Noch im Vorfeld der Vereidigungzeremonie zum Regierungschef hatte der Führer der protestantischen Unionisten, Ian Paisley, mit Boykott gedroht, sollte er keine weitreichenden Finanzhilfen aus London bekommen – die hat er offenbar bekommen, denn seine Reda stand ganz im Zeichen des Optimismus: “Aus der Tiefe meines Herzens kann ich ihnen heute sagen, dass ich glaube, dass in Nordirland nun eine Zeit des Friedens beginnt: eine Zeit, in der der Hass nicht länger regiert! Wir werden Teil sein, einer wunderbaren Heilung unserer Provinz!”

Nicht Sinn-Fein-Führer Gerry Adams sondern der ehemalige IRA-Kommandeur Martin McGuinness wurde stellvertretender Regierungschef, für steht die gemeinsame Suche nach Lösungen im Zentrum der künftigen Regierungsarbeit: “Wir müssen unsere Schwierigkeiten überwinden, damit wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen können; und damit wir die Gelegenheiten ergreifen können, die sich jetzt ergeben. Die kommenden Generationen erwarten – und verdienen – das von uns!”

Die Sinn-Fein Partei von Adams und McGuiness musste jedoch auf die zentralen Ministerien Finanzen und Wirtschaft verzichten. Statt dessen stellen sie die Minister für Bildung, Regionalentwicklung und Landwirtschaft.

Für Tony Blair schliesst sich kurz vor dem Rückzug im Sommer ein Kreis: Das Karfreitags-Friedensabkommen von 1998 war der erste grosse Erfolg seiner ersten Amtszeit. Das Abkommen bildete die Grundlage für die langwierigen Verhandlungen und die Wahlen vom März dieses Jahres, die jetzt zur Bildung der gemeinsamen Regierung geführt haben.

Dem Terror im Nordirland-Konflikt waren seit 1969 mehr als 3500 Menschen zum Opfer gefallen. Der jetztige Regierungschef und sein Stellvertreter gehörten dabei zu den Radikalen – in beiden verfeindeten Lagern.