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Die Evangelikalen in Lateinamerika

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Die Evangelikalen in Lateinamerika

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Während Vatikan und katholische Würdenträger in Europa sich mit Veränderungen bei der Messe beschäftigen -haben sich in Lateinamerika schon Millionen ehemaliger Katholiken für eine andere Messe entschieden. Nirgends sind die Evangelikalen so auf dem Vormarsch wie auf dem ehemals rein katholischen Sub-Kontinent.

Wie das kommt? Vielfach durch Armut. In Argentinien sind 30 Prozent der Bevölkerung schlicht arm. Die Wirtschaftskrise vor 6 Jahren brachte für den Mittelstand gleich massenhaft sozialen Abstieg. Da predigt einer auf der Straße: “ Du sorgengeplagte Mutter, die du alles verloren hast, dein Haus, deine Familie: Es gibt jemanden, der deine Probleme lösen wird.”

So predigen sie auf den Straßen – und die Leute, die sich angesprochen fühlen, strömen in ihre Gottesdienste… und wenn dann dort noch Wunder geboten werden – wie hier die Genesung eines Mannes, der 18 Jahre lang Aids hatte – dann werden der Anhänger täglich mehr.

In den argentinischen Elendsquartieren betet inzwischen jeder Vierte bei den Evangelikalen, im Landesdurchschnitt haben 12 Prozent der Bevölkerung die Religion gewechselt.

Der Journalist Alejandro Seselovsky sieht noch keine Ende dieser Entwicklung. Er sagt: “Wir leben in einer so schnell-ledigen Zeit, in der die Leute nicht mehr auf die Erlösung nach dem Tod warten können – sie suchen schon jetzt Erlösung. Die verkaufen diese Kirchen, und damit wachsen sie.”

Das ist im Nachbarland Brasilien nicht anders. Hinzu kommt: Durch ihre harte Haltung gegenüber der “Befreiungs-Theologie” hat die katholische Amtskirche hier viele Sympathien verspielt. Priester, die zum Beispiel hier in Brasilien während der Militärdiktatur der 60er Jahre sich an die Seite der Widerstand leistenden Bevölkerung stellten, wurden vom Vatikan gemaßregelt.

Der für die Durchsetzung der römischen Glaubenslehre zuständige Kardinal hiess übrigends Joseph Ratzinger. Dass er nun im Papstornat kommt, wird seinen früheren Entscheidungen nicht vergessen machen.