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Frankreich: Präsidentschaftskandidat Bayrou gründet neue Partei der Mitte

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Frankreich: Präsidentschaftskandidat Bayrou gründet neue Partei der Mitte

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Bei den französischen Präsidentschaftswahlen ist Zentrumskandidat Francois Bayrou zwar gescheitert, aus dem politischen Leben will er sich aber noch lang nicht zurückziehen: Einen Monat vor den Parlamentswahlen kündigte Bayrou die Gründung einer neuen Partei an. Am 10. und 17. Juni soll diese unter dem Namen “Demokratische Bewegung” antreten und einen Gegenpol zum konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy bilden. “Wir haben die Wahl, aufzugeben oder Widerstand zu leisten”, sagte Bayrou, “und es ist meine feste Überzeugung, dass eine Kapitulation zwar einfacher ist, aber keine Zukunft hat. Es ist richtiger, loyaler, vielversprechender und wichtiger, Widerstand zu leisten und dadurch zu zeigen, aus welchem Holz man geschnitzt ist.”

Mehr als 1000 Delegierte waren zu einem Kleinen Parteitag von Bayrous bisheriger Partei UDF nach Paris gekommen – und mit nur vier Gegenstimmen und vier Enthaltungen fiel die Zustimmung zu der neuen Partei deutlich aus. In der “Demokratischen Bewegung” soll nicht nur die UDF aufgehen; sie will auch anderen Strömungen offen stehen. “Die UDF ist eine Schöpfung von Valerie Giscard d’Estaing”, meint ein Parteimitglied, “und sie hat schon viele Veränderungen durchlaufen. Vielleicht ist es Zeit für eine neue, dynamische Bewegung, das liegt in der Luft, also packen wir’s an.”

Immerhin galt Bayrou schon im Präsidentschaftswahlkampf als ein Mann der Mitte, mit der Fähigkeit, sich zwischen dem rechten und dem linken Lager einen Freiraum zu schaffen. So bezeichnete er Vereinigung und Versöhnung als besonders wichtige Aufgaben eines Staatschefs. Die neue Partei geht gut an den Start: Rund neun Prozent sagen Umfragen ihr schon jetzt voraus – das wäre knapp die Hälfte jener 18,57 Prozent, die Bayrou in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen errungen hatte. Dennoch ist die Situation fragil: Denn 22 der 29 UDF-Abgeordneten wollen zu Sarkozys konservativer UMP wechseln, um ihre Wiederwahl zu sichern – in einem Wahlsystem, das kleine Parteien von vornherein benachteiligt. Dennoch bleibt Bayrou optimistisch und kündigte an, den eigentliche Gründungsparteitag der neuen “Demokratischen Bewegung” im Herbst abzuhalten.