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100. Geburtstag des "Tim und Struppi"-Zeichners

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100. Geburtstag des "Tim und Struppi"-Zeichners

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In Brüssel wird gefeiert: Hergé – der Komikzeichner und Erfinder von Tim und Struppi – wäre an diesem Dienstag 100 geworden. Nicht nur in der belgischen Hauptstadt werden aus diesem Anlaß Ausstellungen organisiert.

Hergé selbst hat den Erfolgstitel öfters als sein Lebenswerk bezeichnet, bei dem er sich mit allen Figuren identifiziert: “Wenn der Käpt’n sauer ist, dann bin ich wütend, wenn Professor Bienlein zerstreut ist, dann bin ich dass, und wenn Schultze und Schulze spinnen, dann spinne ich – Tim und Struppi, das bin ich eigentlich selbst.”

Doch schon bevor “Tim und Struppi” das Licht der Zeitungsseiten erblicken, porträtiert Hergé das Leben in seiner belgischen Heimat wie kein anderer. Dazu bedient er sich eines ganzen Arsenals skuriler – aber zutiefst alltäglicher – Figuren.

Zu Anfang seiner Karriere hängt Hergé dabei zweifelhaften politischen Strömungen an, erinnert der Journalist und Comic-Spezialist Hugues Dayez: “Zu Beginn ist Hergé wie ein Schwamm, der die Auffassungen seiner Zeit auslaugt. Er zeichnet für ein sehr rechtskatholisches – und fast rechtsextremes – Blatt, “le 20e siècle”. Später distanziert er sich und wendet sich der fernöstlichen Philosophie zu – besonders dem Taoismus.”

Auch das philosophische Interesse führt zu politischen Überzeugungen: Während der japanischen Besetzung Chinas nimmt Hergé Partei für das Reich der Mitte. Und zum ersten Mal schreibt er, mit Hilfe eines chinesischen Studenten in Brüssel, ein richtiges “Drehbuch”, bevor er sich ans Zeichnen macht: “Der blaue Lotus”.

Auch nach dem Krieg bleibt Hergé stur: Die Alben “Tim und Struppi im Sowjetreich” und “Tim und Struppi im Kongo” zeugen von primärem Antikommunismus und ebensolchem Rassismus. Später aber distanziert sich der Künstler von seinen anfänglichen Überzeugungen.

Obwohl der Comic-Künstler vor 25 Jahren starb, finden die Abenteuer des mutigen Reporter-Detektivs und seines schneeweißen Hundes immer neue Liebhaber: Hergés Werk wurde in 70 Sprachen übersetzt – gut drei Millionen Bände gehen weltweit jedes Jahr über die Ladentheke.