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Der Mordfall Litwinenko

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Der Mordfall Litwinenko

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Im Dezember 2006 wurde auf dem Londoner Prominenten-Friedhof Highgate ein Mann zu Grabe getragen, der erst durch seinen Todeskampf prominent wurde: Alexander Walterowitsch Litwinenko. In der Sowjetunion war er beim Geheimdienst KGB Leiter der Spionageabwehr. Später, beim KGB-Nachfolger FSB, wurde er im Kampf gegen Terrorismus und organisiertes Verbrechen eingesetzt. Er starb am 23. November 2006 – vergiftet mit der radioaktiven Substanz “Polonium 210”.

Seit November 2000 hielt sich Litwinenko mit seiner Familien in London auf, wo er im Mai 2001 politisches Asyl – und kurz vor seinem Tode die britische Staatsbürgerschaft bekam. Der zum Kreml-Kritiker gewandelte Geheimdienstmann hatte ein Buch geschrieben: “Der FSB sprengt Russland in die Luft”. Darin beschuldigt er den russischen Geheimdienst, für die Sprengstoffanschläge auf Wohnhäuser in Moskau und anderen Städten verantwortlich zu sein, bei denen im Jahr 1999 rund 300 Menschen starben.

Am 1.November – 22 Tage vor seinem Tod – hatte Litwinenko sich in der Bar des “Millenium”-Hotels mit zwei Geschäftsleuten getroffen, die er aus gemeinsamer KGB-Vergangenheit kannte:Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun. Zu dieser Gelegenheit soll das Gift in seinen Tee gelangt sein.

Anschließend traf Liwinenko in dieser Sushi-Bar den italienischen Geheimdienst-Experten Mario Scaramella, der ihm wichtige Unterlagen zum Mord an der russischen Journalistin Anna Politowskaja übergeben haben soll. In diesen Dokumenten sei Litwinenko ebenso wie der in London lebende russische Oligarch Boris Beresowski als Ziel künftiger Anschläge genannt worden.

Noch am gleichen Abend setzen erste Beschwerden ein. Litwinenko sucht ein Krankenhaus auf, wo die Ärzte zunächst eine Thallium-Vergiftung vermuten. Sein Zustand verschlechtert sich rasend schnell. Am 20. November beginnt Scotland yard zu ermitteln. Der sofort laut werdenden Verdacht gegen den russischen Geheimdienst: Giftanschlag wie im kältesten kalten Krieg, wird in Moskau empört zurückgewiesen.

Als endlich das richtige Gift – jenes Polonium 210 – in seinem Urin entdeckt wird, hat Litwinenko nur noch wenige Stunden zu leben. Am 21. November – im Bewusstsein des nahenden Todes – diktiert Alexander Litwinenko seinem Vater einen Brief , in dem er den russischen Präsidenten Putin direkt für seinen Tod verantwortlich macht. Darin heisst es unter anderem: “Sie werden es vielleicht schaffen, einen Mann zum Schweigen zu bringen , aber der Protest aus aller Welt wird für den Rest ihres Lebens in Ihren Ohren nachhallen!”