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Palästinerser leben in Flüchtlingslagern - auch noch 59 Jahre nach Flucht und Vertreibung

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Palästinerser leben in Flüchtlingslagern - auch noch 59 Jahre nach Flucht und Vertreibung

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Es sieht aus wie eine gewöhnliche arabische Kleinstadt. Arm und voller Leben. Es ist ein Flüchtlingslager, eines dieser schrecklichen Provisorien, die zum Dauerzustand für die Betroffenen geworden wird. Und betroffen sind allein hier im
Lager Ein Al-Hilweh im Libanon 45.000 Menschen.

Und so kamen sie. Vor 59 Jahren. Als nach der Gründung des Staates Israel arabische Staaten einen Krieg anfingen – und verloren. Damals sprach man von mehr als 900.000 Flüchtlingen – in fast sechs Jahrzehnten sind daraus rund vier Millionen geworden.

Über 12 Länder verstreut leben die palästinensischen Flüchtlinge, dieses “Volk ohne Staat”. Im Libanon machen sie 12 Prozent der Bevölkerung aus, in Jordanien fast 60 Prozent. Die Karte zeigt die wichtigsten Lager im Libanon. Laut UN-Bericht leben im Libanon fast 400.000 Palästinenser – davon fast 224.000 in Lagern.

Ihre wichtigste Organisation, die PLO unter Jassir Arafat lieferte sich Anfang der 80er Jahre Gefechte mit einheimischen Milizen, was in einen Bürgerkrieg mündete. Deshalb begrüßten große Teile der libanesischen Bevölkerung zunächst den israelischen Einmarsch, wodurch im Juni 1982 die PLO vertrieben wurde.

Der Schock kam drei Monate später. Mitte September überfielen Einheiten der christlich-libanesischen Falange-Milizen die nunmehr schutzlosen Flüchtlingslager Sabra und Schatila. Und ermordeten mehr als 2.000 Zivilisten. Frauen und Kinder.

Und danach? Das Leben der Menschen in den Flüchtlingslagern wurde trotz internationaler Hilfe nicht leichter, nicht “normaler”. So gibt es für die 45.000 Bewohner des Lagers Ein Al-Hilweh nur zwei Arztpraxen, die nahezu 600 Patienten pro Tag versorgen müssen. Mehr als 7.500 Kinder drängen sich in 9 viel zu schlecht ausgestatten Schulen…

Das Schlimmste aber ist die erzwungene Untätigkeit, die Abhängigkeit von Almosen. Mehr als zwei Drittel der Familienväter haben keine Arbeit. Den Flüchtlingen wird im Libanon der Zugang zu diversen Berufen verwehrt – wie Arzt, Anwalt, Architekt.
In dieser Hoffnungslosigkeit finden Fanatiker jeder Couleur leicht Anhänger.