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Flucht aus dem Flüchtlingslager

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Flucht aus dem Flüchtlingslager

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Nach den Kämpfen der letzten Tagen verlassen Tausende Palästinenser das Lager Nahr al-Bared im Nordlibanon. Seit Sonntag hatten sich hier die libanesische Armee und eine Gruppe, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe steht, heftige Gefechte geliefert. Die Gruppe hat im Lager wenig Unterstützung, aber die Antwort der Armee hat die Bevölkerung zornig gemacht. Eine Frau, die auf ihrer Flucht gerade im Nachbarlager Baddawi angekommen ist, nennt sie alle “Veräter”: “Die zielen auf ein ganzes Volk und auf die Kinder! Wie soll das nur weitergehen?”

Mindestens 80 Menschen sind seit Ausbruch der Kämpfe umgekommen. Das Lager Nahr al-Bared haben nach Schätzungen des Roten Kreuzes inzwischen 15 000 der 40 000 Bewohner verlassen. Teile des Lagers gleichen nun einer Geisterstadt. Aber Tausende harren hier noch aus, unter katastrophalen Bedingungen: Ohne Nahrungsmittel, ohne Wasser, und in ständiger Angst vor Kämpfen.

Wie viel Zeit die Menschen im Lager noch zur Flucht haben ist offen. Denn die schätzungsweise 300 Kämpfer der Fatah al-Islam haben sich verschanzt. Und in Beirut heißt es, die Armee habe freie Hand, sie zu verfolgen. Noch gilt ein fast 40 Jahre altes Abkommen, nach dem libanesischen Soldaten keinen Zutritt zu den Lagern haben – offen ist, wie lange noch.