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Urteile im Prozess um Djindjic-Mord

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Urteile im Prozess um Djindjic-Mord

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Gut vier Jahre nach dem Mord am früheren serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic versucht Serbiens Justiz schwer bewacht einen Schlussstrich zu ziehen – einen juristischen zumindest. Die Belgrader Richter sprachen alle 12 Täter schuldig. Zvezdan Jovanovic, stellvertretender Chef einer Sondereinheit der Polizei aus der Milosevic-Ära, geht für 40 jähre ins Gefängnis. Er soll die tödlichen Schüsse auf Djindjic abgegeben haben.

Milorad Ulemek, mehrfach vorbestrafter Kommandeur der Einheit, soll der Drahtzieher sein. Er hat jede Beteiligung am Djindjic-Mord von sich gewiesen. Trotzdem verurteilte auch ihn das Gericht zu 40 Jahren Haft. Am 12 März 2003 war auf Zoran Djindjic vor dem Regierungsgebäude geschossen worden. Wenig später starb er in einem Belgarder Krankenhaus. Mit seinem pro-westlichen Kurs hatte er sich offenbar Feinde in Serbien gemacht.

Nach dem Sturz des Diktators Slobodan Milosevic hatte Djindjic die Wende eingeleitet. Er galt als Symbolfigur des demokratischen Serbien. Heute nun hatte die Justiz das Wort. Höchststrafe für die Hauptangeklagten. Die reagierten mit höhnischen Gesten auf die Urteile. Die Hintergründe des Mordes hat der dreieinhalb Jahre dauernde Prozess nicht aufdecken können.

Fast enttäuschen die Reaktionen der Demonstranten draußen. Ihnen scheinen die Urteile nicht weit genug zu gehen. Der Prozess hat gezeigt, wie gespalten die serbische Gesellschaft ist. Während einige diesen Prozess am liebsten verhindert hätten, fordern andere noch weitreichendere Konsequenzen.