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Polens Sorge um schwule Teletubbies

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Polens Sorge um schwule Teletubbies

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Polens Kleinkinder vor den Fernsehschirmen können aufatmen: Die Teletubbies bleiben ihnen erhalten. Und das, obwohl die lila Figur “Tinky-Winky” – ein Junge – weiterhin mit Handtasche auftritt. Das hatte bei der regierungsoffiziellen Kinderbeauftragten von der nationalistisch-klerikalen “Liga der polnischen Familien” den bösen Verdacht genährt, hier werde “homosexuelle Propaganda” betrieben, wie sie einer Wochenzeitschrift mitteilte. Inzwischen hat sich Pani Ewa Sowinska von Experten eines Besseren belehren lassen. In einem Fernsehinterview ruderte die Kinderbeauftragte zurück, die Tele-Tubbies dürfen weiterhin auch in polnische Kinderzimmer.

Dafür sorgte nun ihr zum Erziehungsminister beruferener Parteichef Robert Giertych für neue Unruhe. Nach seiner Richtlinie für die Lehrpläne der Gymnasien werden diverse Größen der Weltliteraur vom Lehrplan verschwinden. So sollen Polens Gymnasiaten statt Goethe, Dostajewski oder Kafka verstärkt die Werke eines nationalistischen Politikers aus der Vorkriegszeit oder Texte des verstorbenen polnischen Papstes lesen.

Außerdem wies der Minister die Schulleiter an, keine Vertreter von Homosexuellenverbänden mehr vor Schülern auftreten zu lassen. Die einflußreiche “Liga der polnischen Familien” , vertritt die Idee, Homosexualität sei eine Art ansteckende Krankheit. Dem entspricht auch ein Gesetzentwurf, der alle Zusammenkünfte von Homosexuellen – so wie diesen Marsch für Toleranz” – künftig verbieten soll.

Dieses Gesetzesprojekt hat das Europa-Parlament in einem Resolutionsentwurf als “Verstoß gegen die Menschenrechte” verurteilt. In einer Umfrage in Polen gaben jüngst 53 % der Befragten an, sie betrachteten Homosexualität als Sünde und 45 % meinten, es handele sich um eine krankhafte – aber heilbare -Abartigkeit.