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Kosovo-Albaner sehen Unabhänigkeit in greifbarer Nähe

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Kosovo-Albaner sehen Unabhänigkeit in greifbarer Nähe

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Erleichtert und zufrieden haben die Kosovo-Albaner aufgenommen, was US-Präsident George W. Bush seit gestern explizit zum Thema Kosovo sagt: Der UN-Sicherheitsrat solle einen Termin für eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien festsetzen. Das Ziel: Die langjährige Unsicherheit über die Zukunft der Provinz zu beenden.

Der ehemalige Ministerpräsident Bajram Rexhepi: “Die Botschaft ist klar: das Kosovo wird unabhängig.”

Oppositionsführer Hashim Thaqi ist derselben Ansicht: “Die Unabhängigkeit ist so gut wie beschlossene Sache. Wir haben keine zeit zu verlieren, das Kosovo ist bereit zu diesem Schritt. Die Staatengemeinschaft sollte diese Unabhängigkeit offiziell anerkennen.”

Der Mann auf der Straße reagiert erst mal emotional.

Zum Beispiel Albatros Rexhaj, Autor von Theaterstücken: “Ich denke, die ganze Welt sollte wissen, daß unsere Nation sehr pro-amerikanisch eingestellt ist. Das albanische Volk wird auf ewig dankbar sein – das war mein erster Gedanke gestern.”

Die Kosovo-Albaner haben die entscheidende Rolle der USA beim Einsatz der Nato im Jahr 1999 nicht vergessen, als der serbische Präsident Slobodan Milosevic Unabhängigkeitsbestrebungen mit miltärischen Mitteln bekämpfte, die Nato daraufhin drei Monate lang Serbien bombardierte und die Truppen aus Belgrad zum Rückzug zwang. Anschließend übernahmen 100 000 NATO-Soldaten die Kontrolle.

Seither steht das Kosovo unter UN-Verwaltung. Nun wird auf internationaler Ebene nach einem weniger provisorischen Status für die serbische Provinz gesucht.

UN-Vermittler Martti Ahtisaari hat einen Vorschlag vorgelegt, der eine beschränkte Unabhängigkeit beinhaltet – mit gewissen Garantien für die nicht-albanischen Minderheiten.

Martti Ahtisaari im Februar dieses Jahres in Belgrad: “Das Abkommen sieht ausdrückliche Schutzmechanismen für die nicht-albanischen Minderheiten im Kosovo vor. Das beinhaltet eine garantierte Vertretung im Parlament, in Regierung und Rechtsprechung. Neue serbisch-dominierte Bezirke werden eingerichtet und mit zusätzlichen Befugnissen ausgestattet.”

Das kann die serbische Minderheit ganz und gar nicht beruhigen. Rund 200 000 serbische Kosovaren haben die Provinz nach dem Abzug der serbischen Truppen verlassen. Sie wollen zurückkehren, aber nicht in ein unabhängiges Kosovo.

Im Kosovo leben rund 1,9 Millionen Menschen. Nach Schätzungen der Weltbank sind 88 Prozent albanischer und 7 Prozent serbischer Abstammung.

Das mit Serbien befreundete Rußland könnte einen Volksabstimmungs-Beschluss im Weltsicherheitsrat blockieren.