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Angst bei Australiens Aborigines vor neuen "gestohlenen Generationen"

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Angst bei Australiens Aborigines vor neuen "gestohlenen Generationen"

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Die meisten von ihnen leben in Armut, die meisten von ihnen sind immer noch Teil einer Randgruppe in Australien. Probleme in den Siedlungen der Aborigines gibt es genug, doch nun rückte eines von diesen durch einen schockierenden Bericht in den Vordergrund: Kindesmißbrauch.

Australiens Regierung reagierte in den vergangenen Woche mit einem Alkohol- und Pornografieverbot in der betroffenen Region, doch Vertreter der Aborigines wittern dahinter eine andere Absicht. “Die Regierung verwendet Kindesmißbrauch als trojanisches Pferd, um Kontrolle über unser Land zu gewinnen”, so eine Aborigine-Sprecherin.

Die Lage ist angespannt. In Alice Springs ist in den vergangenen Tagen die Armee aufmarschiert, um Polizeieinheiten zu unterstützen. Die Ureinwohner drohten ihrerseits, den weltweit bekannten Ayers Rock für Touristen zu blockieren. Australiens Premierminister John Howard bezeichnete das Problem als höchst dringlich.

In 60 abgelegenen Aborigine-Gemeinden hatten Inspektoren der Regierung in Canberra zuvor weit verbreiteten Kindesmißbrauch aufgedeckt. Ihr abschließender Bericht sieht einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem exzessivem Alkoholkonsum und der Verbreitung von Hardcore-Pornos in den Aborigine-Siedlungen.

Nun darf unter anderem für sechs Monate mehr kein Alkohol verkauft werden und pornografische Filme sind verboten. Betroffen sind diejenigen Ureinwohner, die im Northern Territory wohnen. Sie stellen 50.000 der rund 460.000 Aborigines in Australien dar. Ihre Lebenserwartung ist um 17 Jahre geringer als bei allen anderen Australiern.

Die nun verkündeten Maßnahmen der Zentralregierung gelten einigen ihrer Vertreter als rassistisch. Ein Dorn im Auge sind ihnen vor allem die angeordneten medizinischen Zwangsuntersuchungen, um weiteren Mißbrauch aufzudecken. Man spricht von einem Eingriff in die Privatsphäre und befürchtet, daß nun die Kinder ihren Familien weggenommen werden. Die Angst geht um in den Aborigine-Siedlungen, viele reden von einer neuen “gestohlenen Generation”.

Damit gemeint ist nicht nur eine, sondern mehrere Generationen von Aborigine-Kindern, die zwischen 1900 und 1969 ihren Familien entrissen wurden. Die Kinder und Jugendlichen wurden in Lager und zu Familien geschickt, wo sie zu Weißen erzogen werden sollten.

Der Plan scheiterte und die Zeiten änderten sich. Doch die neuen Bestimmungen aus Canberra, sechs Monate vor der Parlamentswahl, gelten nicht wenigen als Schritt zurück in die Vergangenheit.