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Gordon Brown: ehrgeizig und ernst

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Gordon Brown: ehrgeizig und ernst

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Mit offenen Armen empfing der scheidende Premier Tony Blair den langjährigen Weggefährten erst ganz zum Schluß. Davor musste Gordon Brown die Einhaltung alter Versprechen mit einer Härte einfordern, die manchen Blair-Anhängern schon als “Palastrevolte” galt. Der 56-Jährige Brown übernimmt Partei- und Regierungsamt in einem Moment, da die Partei um den Machterhalt kämpfen muss. Jene Partei, über die er vor 25 Jahren seine Doktorarbeit geschrieben hat. Politik war schon der wichtigste Punkt in seinem Leben, als der 16jährige hochbegabte Junge aus armen Verhältnissen sein Studium an der Universsität Edinburgh begann.
Hier traf ihn auch der erste Schicksalsschlag – ein Unfall beim Rugby-Spiel ließ ihn auf dem linken Auge erblinden. Weggefährten aus jener Zeit beschreiben Gordon Brown als besonders begabt, ehrgeizig und ernst. Als einen, der immer hart arbeitet. Mit 32 errang er sein erstes Unterhaus-Mandat und teilte in Westminster sein Büro mit dem ebenfalls neu-gewählten Tony Blair.
So verschieden die beiden Jung-Politiker ihrer Herkunft nach auch waren – sie richteten gemeinsam den Blick in die Zukunft. Als dann 1994 Labour-Führer John Smith starb, war der Weg frei für die Erneurung der Partei nach ihren Vorstellungen; statt Klassenkampf und Sozialismus
“New Labour” – mit dieser “Öffnung zur Mitte” gewann die Partei 1997 die Unterhauswahlen.
Blair wurde Premierminister und Brown sein Schatzkanzler. Ein Finanzminister, der unter der Losung “Besonnenheit” antrat. Er ließ erst den übernommenen Ausgabenplan der Tories auslaufen, ehe er ab 2000 größere Ausgaben für Bildung und Gesundheit durchsetzte. In den zehn Jahren seiner Amtszeit sank die Arbeitslosenrate von 7,0 auf 5,5 Prozent, und Großbritanniens Wirtschaftswachstum liegt kontinuierlich um mehr als einen halben Prozentpunkt über jenem der Euro-Zone. Solche Ergebnisse medienwirksam zu vermarkten, das ist nicht Browns Stil. “Schroff, dröge, griesgrämig”, so sein Image in der Öffentlichkeit. Man kann sich vorstellen, wie sich andere Politiker an der Seite eines Bob Geldoff präsentiert hätten. Für Brown war auch das ein Arbeitsgespräch. Den Kampf um die schwindenden Wählerstimmen betrachtet der neue erste Mann in der Labour-Party und in der Regierung als Herausforderung. In seiner Antrittsrede auf dem Parteitag sagte er: “Für Eltern, die bezahlbare Kinderbetreuung wollen, werden wir die Forderung annehmen, etwas zu verändern, ebenso für Familien und Rentner, die ein staatliches Gesundheitssytem nach ihren Bedürfnissen wollen. Für Menschen, die eine stärkere Demokratie wollen, können nur wir die Forderung erfüllen, etwas zu verändern.”