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Niederlande und Dänemark Vorreiter mit "Flexicurity"

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Niederlande und Dänemark Vorreiter mit "Flexicurity"

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Den Bosch in den Niederlanden – ein Königreich der Zeitarbeits-Agenturen. Sie spielen auf dem fast völlig privatisierten Arbeitsmarkt der Niederlande eine Schlüsselrolle. Seit Einführung der hiesigen Spielart der Flexicurity vor gut einem Jahrzehnt ist die Arbeitslosenquote auf 3,3 Prozent zurückgegangen. Die niedrigste in der EU, noch unter der in Dänemark, Europas anderem Flexicurity-Vorreiter. Dort wird das System weitgehend durch Steuergelder finanziert. In den Niederlanden ist es dagegen fast komplett in privater Hand.

Der Unternehmensberater Martijn van Velsen erklärt: “Private Agenturen vermitteln zwischen Firmen, die Flexibilität brauchen, und Arbeitnehmern, die befristet oder für eine bestimmte Stundenzahl in diesen Firmen arbeiten wollen. Der Staat interveniert kaum.”

Das dänische System basiert auf dem Hire-and-Fire-Prinzip, abgefedert durch starke staatliche Absicherung mit Weiterbildung, hohem Arbeitslosengeld und Aktionsplänen zur Jobsuche. Das niederländische fußt auf privaten Zeitarbeitsfirmen, die die Arbeitnehmer längerfristig anstellen und dann an Firmen mit Bedarf vermitteln, erklärt Tom Vilthagen von der Universität Tilburg:

“Arbeitnehmer außer der Norm sind vor allem außer Norm bei der Absicherung. Ich denke, das ist das große Geheimnis. Wir haben in Europa Länder mit starkem Schutz für die Insider, aber sehr schwacher Absicherung der Außenseiter. Im niederländischen System ist es nicht so.”

Ein Kernelement der Flexicurity ist die Aus- und Weiterbildung, das lebenslange Lernen. Ein teures System, das aber als Europas Waffe gegen ausländische Konkurrenz gesehen wird – wenn es wirksam eingesetzt wird, betont Andre Sapir von der Freien Universität Brüssel: “Wenn es nur darum geht, ein teures System zu haben, in dem aber die Leute nicht richtig weitergebildet werden, in dem sie nicht das Rüstzeug bekommen, um Humankapital zu sein, dann hilft solch ein System nicht dabei, wettbewerbsfähig gegenüber Schwellenländern zu sein.”

In den Niederlanden bekommen daher auch die privaten Zeitarbeitsagenturen teilweise Geld vom Staat, um ihre Angestellten weiterzubilden, erläutert ein Manager der Firma Manpower: “Wir haben in den Niederlanden Zuschüsse, zum Beispiel nationale Subventionen, aber auch europäische wie aus dem Europäischen Sozialfonds, und mit diesem Geld werden die Zeitarbeiter ausgebildet.”

Im Vergleich zum niederländischen System gilt das dänische als besser, wenn es um die Ermutigung zum Berufswechsel und die Vermittlung älterer Arbeitnehmer geht. Und das könnte sich angesichts der alternden Bevölkerung Europas langfristig auszahlen.