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Franzosen fürchten höhere Strompreise nach der Liberalisierung

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Franzosen fürchten höhere Strompreise nach der Liberalisierung

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Für Frankreich bricht mit der vollständigen Liberalisierung des Energiemarkts quasi ein neues Zeitalter an. Aus wird es sein mit dem staatlich regulierten Festpreis – von dem viele Franzosen nur ungern lassen. Nicht nur die Verbraucherschützer fürchten, dass die Preise eher steigen als fallen werden. Schließlich habe der Staat bis dahin auch bei schwankenden Energiepreisen stabile Tarife gewährleistet, erklärt Daniel Faugeron von der globalisierungskritischen Organisation ATTAC: “Wenn ich den Preisen des Marktes unterliege, dann muss ich bedenken, dass der Marktpreis den Schwankungen der Strombörse unterworfen ist, Energiepreisen, etcetera. Der Stromversorger kann aus x Gründen beschließen, seine Tarife zu erhöhen.”

Europas Experiment mit der Liberalisierung des Energiemarktes kann man noch nicht als Erfolgsmodell bezeichnen. Ob Deutschland, Schweden oder Großbritannien: Oligopole diktieren die Preise, die Netze werden teilweise von den einstigen Monopolisten beherrscht. Auf Billigstrom hoffen die Kunden zumeist vergeblich.

Der spanische Europa-Abgeordnete Alejo Vidal Quadras sieht das Problem auch in den Unterschieden zwischen den Mitgliedsstaaten: “Wenn wir einen integrierten europäischen Energiemarkt wollen, mit vollständiger Liberalisierung und freiem Wettbewerb, dann müssen alle Mitgliedsstaaten sich diesen gemeinsamen Regeln unterwerfen.”

Dominique Forest von der europäischen Verbraucherorganisation sieht das Problem vor allem darin, dass eine echte Liberalisierung nicht stattgefunden habe: “Die derzeitige Liberalisierung ist doch nur eine halbe. Der Verbraucher müsste über transparente, vergleichbare Informationen verfügen, um ohne überhöhte Gebühren den Versorger wechseln zu können. Wir bräuchten eine Situation, in der sich wirkliche Konkurrenz zwischen den Anbietern entwickeln kann, eine viel stärker wettbewerbsorientierte Marktstruktur, in der die Unternehmen den Verbrauchern vorteilhafte Angebote machen können.”

Ein weiterer entscheidender Faktor für die Preise ist die Energiequelle: Frankreich, das etwa drei Viertel seines Stroms mit Atomenergie produziert, ist zum Beispiel in diesem Bereich dem Preisanstieg bei fossilen Brennstoffen nicht ausgeliefert. Der hat die Preise in den liberalisierten Ländern ebenso angeheizt wie etwa Mehrwertsteuer-Erhöhungen und Ökosteuern.