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Beispiel Luxemburg: Die Ängste der Winzer vor einer neuen Weinmarktordnung

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Beispiel Luxemburg: Die Ängste der Winzer vor einer neuen Weinmarktordnung

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Das wird kein Zuckerschlecken für Europas Winzer. Eher ein hochprozentiger Interessenskonflikt. Die EU-Kommission will den europäischen Weinsee trockenlegen. Demnächst wird sie einen Entwurf für eine neue Weinmarktordnung vorlegen. Die Kernpunkte: Weniger Subventionen durch die Stilllegung unproduktiver Weinberge. Die sogenannte Trockenzuckerung soll unterbunden werden – sie hebt traditionell den Alkoholgehalt von Wein aus weniger sonnigen Gebieten, etwa in Deutschland. Auch Mostkonzentrat soll nicht länger subventioniert werden.

Insgesamt sollen nach dem Willen der EU Kommission bis zu 200 000 Hektar Weinbaufläche stillgelegt werden, das wären rund 6 Prozent der Rebflächen – halb so viel wie ursprünglich vorgesehen. Die Produktion von Mostkonzentrat vor allem in Südeuropa soll nicht länger subventioniert die Zuckerzugabe gestoppt werden.

Dazu Robert Ley, Chef der Landwirtschaftskammer von Luxemburg: “Das will man verbieten, weil gleichzeitig die Mostproduktion im Süden nicht länger subventioniert werden soll. Das wird unsere Produktion verteuern.”

Auf lange Sicht soll der ganze Sektor nach dem Willen der Kommission liberalisiert werden. Zur Zeit verschlingt die Produktion nicht verkäuflichen Weines jedes Jahr 500 Millionen Euro. Insgesamt kosten Subventionen und Beseitigung von Überschüssen in Europa jedes Jahr 1,3 Milliarden Euro.

Andreas Schneider analysiert Agrarpolitik. Es sieht keinen Wein-Krieg zwischen Nord-und Südeuropa. Eher einen Qualitäts-Wettstreit: “Jetzt mal ehrlich – Wein sollte doch eigentlich ein reines Produkt sein, ohne Zuckerzusatz. Wer nicht in der Lage ist, einen sauberen Wein herzustellen, der sollte es eben bleiben lassen. Einen großen Teil des europäischen Wein-Problems sehe ich so: Wir machen einfach zu viel gewöhnlichen Tafelwein.”

Aus Luxemburg kommt eine ganze Qualitätspalette an Weinen, die besten von den steilsten Lagen an der Mosel. Der Weinbau hier ist harte Handarbeit. Eine glaubwürdige qualitätsorientierte Reform könnte die Winzer überzeugen, sich darauf zu konzentrieren – allen hohen Produktionskosten und Schwierigkeiten im Alltag zum Trotz.