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Weinmarktreform soll EU-Wein konkurrenzfähiger machen

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Weinmarktreform soll EU-Wein konkurrenzfähiger machen

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Europas Winzer sollen nach Ansicht der EU-Kommission nicht länger unverkäufliche Weinseen produzieren. Agrar-Kommissarin Mariann Fischer Boel will die bisherigen Finanzhilfen für die Destillation der Überschussproduktion in Höhe von jährlich rund 700 Millionen Euro streichen.

Stattdessen sollen die Winzer Anreize bekommen, unrentablen Weinbau aufzugeben. Das ab 2008 angepeilte Maßnahmenpaket zielt darauf ab, die Überproduktion von billigen Tafelweinen vor allem im Süden der EU zu stoppen und die Winzer international konkurrenzfähiger zu machen.

Mariann Fischer Boel: “Die wichtigste Massnahme zur Stabilisierung des Marktes ist eine attraktive Stilllegungsprämie für unrentable Lagen in den ersten fünf Jahren.” Kaum eine Weinregion in Europa, die nicht Sturm läuft gegen die geplante Deregulierung: Die Winzer im nördlicheren Europa wollen ihren Wein weiter zuckern, um den Alkoholgehalt anzuheben.

Die Kollegen im Süden wollen weiter Finanzhilfen für die Destillation der Überschussproduktion. Alle zusammen sind dagegen, dass gut 5 Prozent der 3,6 Millionen Hektar Rebfläche stillgelegt werden sollen. Das ist die Hälfte der ursprünglich von der Kommission angepeilten Fläche.

Dabei wird immer weniger Wein getrunken. Der strukturelle Weinüberschuss wird auf rund 15 Millionen Hektoliter geschätzt. Rund 15 Prozent der Weinerzeugung werden jedes Jahr destilliert und dadurch aus dem Markt genommen. Die EU gibt jedes Jahr insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro für den Weinmarkt aus.

Davon gehen fast zwei Drittel in direkte Markteingriffe wie Destillation oder Beihilfen für Most zur Anreicherung von Wein. Die vier größten Erzeuger außerhalb der EU, das sind Australien, Chile, Südafrika und die USA, haben in den vergangenen zehn Jahren erheblich Boden gutgemacht.

Derzeit importiert die EU jährlich 12 Millionen Hektoliter Wein und führt 13 Millionen Hektoliter aus. Demnächst könnte die EU zum Netto-Importeur von Wein werden. Die Vorschläge der Kommission sollen in der zweiten Jahreshälfte vom Ministerrat und dem Europaparlament beraten werden.