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Das erste Jahr bei Real Madrid mit Calderon: Eine Bilanz im EuroNews-Interview

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Das erste Jahr bei Real Madrid mit Calderon: Eine Bilanz im EuroNews-Interview

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Ramon Calderon ist Rechtsanwalt aus der spanischen Kleinstadt Palencia und seit einem Jahr Präsident eines der weltbekanntesten Fussballvereine, Real Madrid.

Es war ein turbulentes Jahr im Amt, und Calderon hatte mit viel Widerstand zu kämpfen.

Doch am Ende der Saison stand dann das, was alle Fans von den Königlichen erwarten: der Gewinn der spanischen Meisterschaft.

EuroNews traf Calderon in Madrid zum Gespräch über die Bilanz seiner bisherigen Amtszeit und die Pläne Reals für die kommende Saison.

EuroNews:
Herr Calderon, willkommen bei EuroNews.

Das erste Jahr Ihrer Präsidentschaft war nicht leicht. Zuerst die Affäre um die Briefwahlstimmen, dann die nicht zufriedenstellenden sportlichen Resultate. Am Ende aber hat ihr Verein zahlreiche Titel gewonnen, darunter auch die spanische Fußball-Meisterschaft, was seit Jahren nicht mehr gelungen ist. Welche Saisonbilanz ziehen Sie?

Calderon:
Aus sportlicher Sicht war diese Saison wirklich mehr als zufriedenstellend. Wir sind sowohl Fußball- als auch Basketballmeister geworden, was wir seit 21 Jahren nicht mehr geschafft haben. Außerdem hat Real Madrid den ULEB-Basketball-Cup geholt, zum ersten Mal seit fast 40 Jahren.

Das sind herausragende Erfolge.

Am Anfang hatten wir große Probleme, aber so ist der Fußball. Wir hatten einen neuen Trainer, acht neue Spieler, ein neues System, und drei Jahre hatten wir keinen Titel mehr gewonnen.

Wir standen also vor keiner leichten Aufgabe, aber am Ende stehen große Erfolge und das freut natürlich alle Anhänger Madrids sehr.

EuroNews:
Konzentrieren wir uns auf den Fußball. Auf den Titel haben viele lang gewartet, jetzt ist er da, und trotzdem blieben dramatische Veränderungen nicht aus. Fabio Capello mußte gehen, und jetzt scheint Bernd Schuster zu kommen. Warum haben sie Capello nach dem Titelgewinn entlassen?

Calderon:
Weil unser Verein beständig an der Spitze stehen will. Gut, wir haben jetzt einen Titel gewonnen, aber die Leute waren unzufrieden mit unserer Spielweise. Also haben wir uns für Wechsel entschieden.

Der Moment zwischen zwei Spielzeiten war dafür optimal. Wir sind Fabio Capello für die Arbeit, die er geleistet hat, sehr dankbar. Hier aber wollen wir uns beständig verbessern, und einen Fußball anbieten, der die Zuschauer begeistert.

Im Laufe der Saison waren viele Mißtöne zu hören von Seiten der Fans. Aber für mich stand ein Trainerwechsel während der Saison außer Frage. Ich denke, warten war die bessere Lösung, und ich hoffe, damit Recht zu behalten.

EuroNews:
Was bringt Schuster dem Team was Capello nicht hatte?

Calderon:
Schuster ist noch nicht Trainer von Real Madrid. Er ist einer der Kandidaten, die uns gefallen. Er steht für einen erfrischenden Offensiv-Fußball, vor allem auch bei Heimspielen. Ein Spiel nach vorne. Wir suchen so einen Trainer, einer der das Team offensiv spielen läßt.

EuroNews:
Momentan ist Sommerpause, die Spieler erholen sich, aber die Vereinsführung ist weiter aktiv auf dem Transfermarkt tätig. Diverse Namen werden mit Real Madrid in Verbindung gebracht. Einer von ihnen ist Kaka, praktisch schon seit ihrem Amtsantritt. Ist das realistisch oder nur ein Traum?

Calderon:
Eine schwierige Frage. Die Verantwortlichen von Milan haben mitgeteilt, daß sie den Spieler nicht verkaufen. Uns sind solange die Hände gebunden. Anders würde es aussehen, wenn der Spieler von selbst gehen will. Dann wären wir mehr als erfreut, ihn in unseren Reihen zu begrüßen. Das muß aber der Spieler entscheiden, und zwar im Einverständnis mit seinem Verein.

EuroNews:
Ein anderer Name, der seit ihrem Amtsantritt immer wieder fällt, ist der von Arjen Robben von Chelsea London. Haben Sie an ihm noch Interesse?

Calderon:
Ja. Wir verhandeln, aber auch er muß sich zuerst mit Chelsea einig werden. Zwischen den Spielzeiten wird immer verhandelt und gearbeitet. Für uns heißt es in der Sache aber warten.

EuroNews:
Die anderen europäischen Spitzenvereine haben auf dem Transfermarkt bereits spektakulär zugeschlagen.

Barcelona hat mit Henry, Toure oder Abidal absolute Spitzenspieler präsentiert.

Auch Bayern München hat sich so verstärkt wie noch nie und Manchester United hat in Spieler der Zukunft investiert.

Jetzt erwarten alle, daß Real Madrid nachzieht. Wie sehen sie die Transferaktivitäten der anderen?

Calderon:
Was sie machen ist logisch und normal. Sie müssen sich verstärken, wie wir auch. Sie machen das intensiver als wir, sie sind alle nicht Meister geworden.

Solche Mannschaften werden jetzt zu den Jägern der jeweiligen Landesmeister und sie wollen möglichst bald wieder oben stehen.

Sie müssen sich radikal verstärken, wir müssen uns konsolidieren.

EuroNews:
Reden wir über die G14 und die Probleme, die sie mit der UEFA haben.

In wie weit stimmen die Interessen großer Clubs wie Real Madrid überhaupt mit denen der UEFA überein?

Calderon:
Unser Verhältnis sollte eines des gegenseitigen Verstehens sein. Die G14 kann nur überleben, wenn die UEFA, aber auch die FIFA, sie anerkennen. Ohne diese Anerkennung, ist ihr Fortbestehen schwer denkbar.

EuroNews:
Glauben Sie, daß Europas Vereine einer externen Kontrollorganisation unterstehen sollten?

Calderon:
Da wäre ich vorsichtig. Das müssen wir im Rahmen der UEFA und der FIFA beraten. Das wäre das Beste, um die Fußballfamilie nicht zu spalten.

Wir müssen geeint zusammen stehen und darauf achten, daß die Interessen aller auf diesselbe Art und Weise geschützt werden.

Eine Konfrontation ist da sicher nicht hilfreich, sie würde dem Fußball schaden.

EuroNews:
Könnte eine europäische Super-Liga mit Teams wie Real, Man U oder Milan ins Leben gerufen werden, ohne die UEFA miteinzubeziehen?

Calderon:
Nein, das glaube ich nicht. Diese Superliga gibt es schon, sie heißt Champions League. Sie ist ein großer Erfolg. Die Menschen kommen in die Stadien oder schalten den Fernseher ein und es gibt Sponsoren.

Darauf müssen wir aufbauen für die Zukunft. Real Madrid wäre nicht einverstanden, einen Wettbewerb außerhalb der Kompetenz der UEFA anzuregen.

EuroNews:
Lassen Sie mich jetzt nach dem Verhältnis der großen Klubs zur FIFA fragen.

Jeder weiß, daß die engen Terminplanungen Probleme bereiten, daß Spieler oft verletzt von internationalen Einsätzen zurückkehren. Einige Vereine haben die FIFA deswegen sogar verklagt.

Wie gehen Sie mit diesem Problem um?

Calderon:
Diesbezüglich wird von Seiten der FIFA versucht, zu einem System zu gelangen, daß die betroffenen Vereine angemessen entschädigt.

Die FIFA hat bereits angekündigt, Versicherungen abschließen zu wollen, die eventuelle Verletzungen von Spielern abdecken.

Wir sind hier mit dem Vorgehen der FIFA und von Präsident Blatter insbesondere sehr zufrieden.

Er ist und bleibt jemand, der dem Fußball viel gegeben hat und auch weiterhin gibt.

Wir sind überzeugt, daß in dem Punkt, den sie erwähnt haben, eine positive Lösung für alle gefunden wird. Für alle Vereine und für den Fußball überhaupt.

EuroNews:
Zum Abschluß bitte ich Sie, eine Prognose zu wagen. Wer gewinnt in der kommenden Saison die Champions League?

Calderon:
Wir, so wie ich sehr hoffe. Es wäre der zehnte Champions League-Titel für uns, das wäre etwas sehr Besonderes. Wir werden alles versuchen, damit das Team in der Lage sein wird, diesen Traum wahr zu machen.