Eilmeldung

Eilmeldung

Srebrenica: Eine gebrandmarkte Stadt versucht die Rückkehr zur Normalität

Sie lesen gerade:

Srebrenica: Eine gebrandmarkte Stadt versucht die Rückkehr zur Normalität

Schriftgrösse Aa Aa

Rund 37.000 Menschen lebten vor dem Krieg in Srebrenica, die meisten von ihnen muslimischen Glaubens. Bis zu 10.000 von ihnen wurden beim Massaker im Juli 1995 ermordet, Tausende flohen. Heute hat Srebrenica nur mehr rund 10.000 Einwohner, 4000 Muslime und 6000 bosnische Serben.

Einer von ihnen ist Radomir. Er hat Srebrenica noch nie verlassen und für ihn hat sich nicht viel geändert. “Ich bin ein ehrlicher Mann”, meint er “und ich sage Ihnen: Wir begrüßen die Muslime und sie begrüßen uns, wir besuchen einander und begegnen uns nicht feindselig. Was geschehen ist, ist geschehen. Jeder hat einen Angehörigen verloren, auf beiden Seiten.” Rifa hingegen ist Muslimin – und ihr Leben sieht anders aus. Während des Krieges war sie mit ihrer Familie auf der Flucht. Acht Jahre später kehrte sie in ein zerstörtes Haus zurück. “Ich weiß nicht, was ich für meine Kinder tun soll”, klagt sie. “Manchmal möchte ich sie umbringen, weil ich nicht für sie sorgen kann. Sie haben keine Kleider für die Schule, keine Schuhe. Sie haben nichts.”

Im Februar feierten die Muslime in Srebrenica einen kleinen Triumph: Der Internationale Gerichtshof in Den Haag erklärte das Massaker zum Völkermord. Aber die Freude hatte einen bitteren Nachgeschmack, denn, so der Richterspruch, die damalige Regierung Jugoslawiens sei dafür nicht direkt verantwortlich. Immerhin: Es ist ein erster Schritt – und die Familien der Opfer geben nicht auf. Sie fordern einen Sonderstatus für Srebrenica.

Vor dem Krieg war Bosnien ein multiethnischer Staat. Danach blieb ein gemäß dem Vertrag von Dayton zweigeteiltes Gebilde, bestehend aus der serbischen Republik und der bosnisch-kroatischen Föderation. Srebrenica ist ein Teil der Republika Srpska. Die Muslime sind damit nicht zufrieden. Sie fordern einen Sonderstatus unter bosnischer Hoheit, wie ihn die nahegelegene Gedenkstätte in Potocari bereits hat. Dies jedoch lehnen die Serben ab – mit dem Argument, eine solche Regelung wäre eine schwere Verletzung des Vertrags von Dayton.