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Das Erbe des Vaters fortsetzen - Der neue alte syrische Präsident Baschar al-Assad

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Das Erbe des Vaters fortsetzen - Der neue alte syrische Präsident Baschar al-Assad

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Der Wahlsieger winkt seinen Wählern zu. Das war am 29. Mai, nachdem der syrische Präsident bei einem Referendum nach offiziellen Angaben von 97 Prozent der Wähler im Amt bestätigt worden war. Der in London ausgebildete Augenarzt hatte eigentlich keine politische Karriere im Sinn. Vater Hafez hatte seinen älteren Bruder Basil als Nachfolger aufgebaut – aber der kam 1994 bei einem Autounfall ums Leben.

Damit das höchste Staatsamt nach dem Tod von Hafez al-Assad vor 7 Jahren in der Familie bleiben konnte, musste noch schnell das Mindestalter für einen Präsidenten von 40 auf 34 Jahre herabgesetzt werden. Die überraschende Machtübernahme des Assad-Sohnes fiel in eine Zeit, da in mehreren arabischen Ländern die Söhne ans Ruder kamen. König Abdallah in Jordanien, König Mohamed VI. in Marokko.

Der Biograf des seit 1971 herrschenden Vaters Hafez al-Assad spricht von dessen schwerwiegender Hinterlassenschaft, die jeden Erben geradezu in die Fußstapfen des Vorgängers zwinge.

Die Hoffnung der Menschen auf einen sanften Präsidenten war nur von kurzer Dauer. Zwar versprach der Reformen und “Gerechtigkeit für jeden Bürger”. Aber schon ein Jahr später ließ er zehn prominente Oppositionelle wegen regime-kritischer Äußerungen verhaften.

Einfluß nehmen in der Region – dieses Erbe seines Vater hat Baschar al-Assad voll und ganz übernommen. Um so schmerzlicher muss er den erzwungenen Abzug seiner Truppen aus dem Libanon als Niederlage empfunden haben. Ganz in der Tradition des Vaters fordert er von Israel die “hundertprozentige Rückgabe” der Golanhöhen. Vor dem Parlament spricht er von vielen “heißen” Punkten, vom Interesse Israels und anderer Staaten an einem Wandel der arabischen Identität Familienprobleme gibt es bei den Assads auch. Seit ein Onkel gegen Baschars Vater zu putschen versuchte, lebt dessen Sippe im Exil. Cousin Soma, jetzt Anfang 30, kommt langsam in das Alter, in dem er den Herrscher herausfordern könnte.